Nach den US-Strafzöllen auf chinesische Waren könnte Europa und der Schweiz eine Flut von Billigprodukten drohen. Der frühere Präsident der EU-Handelskammer in China, Jörg Wuttke, warnt gegenüber SRF vor wachsenden Exporten aus der Volksrepublik: "Elektronik, Textilien, Chemie- und Pharmavorprodukte kommen jetzt auf Europa zu – fast über Nacht."
China müsse seine überschüssige Produktion loswerden. "China hat ein riesengroßes Überkapazitäten-Problem", so Wuttke. Er sagt: "Mit Solarpanels könnten sie zweieinhalbmal die ganze Welt beliefern." Besonders Maschinenbauer dürften den Druck rasch spüren.
China habe technologisch stark aufgeholt und verfüge über einen riesigen Binnenmarkt sowie die Fähigkeit, in großen Mengen zu produzieren. In Kombination mit einer abwertenden Währung mache das chinesische Firmen extrem wettbewerbsfähig – sowohl technologisch als auch preislich.
Für europäische Unternehmen werde es daher zunehmend schwierig, sich zu behaupten. Der Margendruck werde nicht nur in Europa, sondern auch auf Drittmärkten deutlich spürbar sein, so Wuttke.
Noch sei die Lage beherrschbar, das könne sich jedoch schnell ändern. "Wir können keinen sogenannten 'Supply Schock' überleben. Wir müssen sehen, dass das alles geordnete Wege findet", so der China-Kenner weiter. Die EU sei vorbereitet, notfalls mit Gegenmaßnahmen zu reagieren. Auch die Schweiz habe Werkzeuge zur Hand, um Importe zu regulieren.
Für Konsumentinnen und Konsumenten könnte das vorerst günstig sein. "Wenn Schuhe, Handys oder Fernseher 30 Prozent günstiger werden, freut das die Kunden", sagt Wuttke. Langfristig aber drohten Preisverfall und neue Handelsbarrieren.
China ist mit rund 31 Prozent Weltmarktführer in der Industrieproduktion. In die EU exportierte das Land 2024 Waren im Wert von 518 Milliarden Euro – mehr als jedes andere Land. Die Schweiz importierte im selben Jahr für 21,5 Milliarden Euro chinesische Produkte. Seit 2014 besteht ein Freihandelsabkommen.