Die nächste und bisher härteste Runde im Rechtsstreit um die Lugner-Villa in Wien-Döbling ist eingeläutet. Am Landesgericht für Zivilrechtssachen im Wiener Justizpalast wird der Showdown um den Verbleib von Simone Lugner im mondänen Haus fortgesetzt.
Darum geht es: Die Lugner & Söhne Privatstiftung, in der Mörtels Wegbegleiter und Vertraute das Sagen haben, klagt Simone. Sie hätte ihr Wohnrecht verwirkt, weil sie Richard († 91) nicht ausreichend gepflegt haben soll und müsse daher das Döblinger Domizil verlassen. Simone kämpft mit aller Kraft um ihren Verbleib.
Vor Gericht wurde das Privatleben des Paares durchleuchtet, es ging vor allem darum, wie nahe sich das Ehepaar wirklich stand.
Um 9 Uhr begann die Befragung von Richard Lugners Witwe Simone. Wichtiger Punkt für das Gericht: Wie waren die Wohnverhältnisse in der Villa wirklich – das könnte der entscheidende Punkt im Prozess sein.
Simone – sie trat selbstbewusst auf, antwortete sofort präzise auf Fragen – wohnte, laut ihren Aussagen, mit Richard im Haus, aber sie schliefen in getrennten Schlafzimmern. Grund: Er stellte die Temperatur immer auf 25 Grad ein, sie auf 20 Grad.
"Wenn es nachts einen Notfall gegeben hätte, hätte ich ihn aus dem anderen Zimmer auch gehört", sagt Simone. Konter der Gegenseite: Ein Haustechniker sagte aus, dass Simone ihn aufgrund der Architektur nie hätte hören können (Brandschutztüren, etc). "Ich habe ihn gehört, selbst wenn er aufs Klo gegangen ist oder telefoniert hat", entgegnet sie.
Pflegebedürftig soll er nie gewesen sein, sagt Simone Lugner. Bis zu seinem Tod arbeitete er täglich im Büro. Jeden Tag. Nur im Juni und Juli nicht, da ging es ihm schlecht und er arbeitete aus der Villa. Auch TikToks soll er noch gedreht haben. "In der Lugner City hatte er keine Pflegerinnen und bis zum Tag vor seinem Tod hat er selbstständig dort gearbeitet", schildert Simone.
Das Verhör des Klägers konzentriert sich auf die Schlafgewohnheiten. Es geht um die Hochzeitsnacht im Grand Hotel, es wären zwei separate Zimmer gebucht gewesen. Es war eine Suite mit zwei Schlafzimmern, sagt Simone aus, "nicht für die Hochzeitsnacht, in der man die Ehe vollzieht. Das macht man in einem Bett. Danach geht man schlafen ins andere." Außerdem habe das Zimmer eine Lugner-Angestellte gebucht, Simone hat das nicht in Auftrag gegeben.
Nächster Vorwurf: Auch eine Buchung im Goldenen Hirschen lautet auf zwei Zimmer. "Es hat immer der Richard über seine Chefsekretärin gebucht. Richard wollte, dass ich gut schlafe, weil er schnarcht. Das war sein Wunsch, nicht meiner."
Im Anschluss wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen – es ging um noch privatere Details.
Kurz nach 12 Uhr sagt erstmals Richard Lugners Tochter Jacqueline aus – und sie kommt gleich zur Sache. Ihr Vater Richard Lugner soll gesagt haben: "Ich will Simone nicht heiraten." Er habe es trotzdem gemacht, weil andere Damen nicht wollten: "Sie trauten es sich nicht zu, einen 90-Jährigen zu pflegen", sagt seine Tochter im Prozess.
Man merkt Jacqueline die Aufregung an, doch sie macht weiter: "Die beiden haben nicht in einem Wohnbereich gelebt, wie er das von früher gewohnt war."
Am Freitag vor seinem Tod, so beschreibt es Jacqueline Lugner, habe sie ihren Vater in der Klinik besucht. Da hat er laut Aussage gesagt, "Es ist nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich muss mir meine Pflegerin für das Wochenende wieder selbst organisieren." Das soll laut Jacqueline der Knackpunkt sein, denn das Wohnrecht soll daran geknüpft gewesen sein, dass Simone seine Pflege organisiert und regelt.
Am Tag vor Lugners Tod rief Jacqueline bei Simone an – sie wollte wissen, wie es ihm geht. Antwort: "Ich weiß es nicht, aber ich könnte nachschauen." Jacqueline war tief geschockt, sagt sie: "Das war für mich das Schlimmste, Schockierendste und Aussagekräftigste."
Die Zukunft der Lugner-Villa bleibt noch ungewiss. Nächster Termin vor Gericht: 17. April.