Sie wollten nach Syrien, sich der Terror-Miliz "Islamischer Staat" anschließen – jetzt ist der Prozess vorbei. Vier Jugendliche standen am Wiener Landesgericht vor Gericht, nun sind die Urteile gefallen. Und die sorgen für Aufsehen: Die Strafen fallen überraschend mild aus.
Zwischen vier Monaten bedingt und 15 Monaten teilbedingt entschied das Gericht. Alle Urteile sind bereits rechtskräftig – berichtet die APA.
Im Zentrum steht ein 17-Jähriger, der als Kind aus Syrien nach Österreich geflüchtet war. "Damit ich eine Zukunft aufbauen kann und wegen dem Krieg dort", erklärte er vor Gericht. Doch laut eigenen Angaben geriet er in eine "falsche Umgebung und falsche Freunde".
Innerhalb kurzer Zeit radikalisierte er sich. Er verbreitete hunderte IS-Propaganda-Videos, schrieb Texte und forderte sogar zu Gewalt auf.
Der Drittangeklagte ist für die Justiz kein Unbekannter. Der 17-Jährige ist bereits zweimal vorbestraft - unter anderem, weil er Ex-Kanzler Karl Nehammer mit Enthauptung bedroht hatte. Dafür und wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung war er schon einmal zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden.
Über ihre radikalen Ansichten fanden die beiden zusammen. Sie lernten zwei Mädchen (15 und 16) kennen – und beschlossen schließlich, gemeinsam nach Syrien zu reisen. Die Burschen waren nach islamischem Recht mit ihnen verheiratet.
Die jüngste Angeklagte schilderte vor Gericht, wie sie den Hauptangeklagten "über Insta" kennengelernt habe: "Sein Aussehen und er selber hat mir gefallen." Sie ließ sich überreden, ihn auf eine Reise zu begleiten.
Am 27. Mai 2025 machten sich die vier mit dem Auto auf den Weg Richtung Deutschland. Am Steuer: der 17-Jährige – ohne Führerschein.
Erst auf der Fahrt erfuhr die 15-Jährige, dass es weiter nach Syrien gehen sollte. "Ich hab’ mir gedacht, ich werde dort leben können. Mit Garten", sagte sie. Sie träumte von einem Leben mit "Tieren und Pool".
Doch die Realität holte sie schnell ein. Während der Fahrt sei davon die Rede gewesen, "gegen andere zu kämpfen". In Augsburg habe sie schließlich gezweifelt: "Ich wollte zurückgehen", sagte sie. Doch sie glaubte, "es gibt kein Zurück mehr".
So weit kam es nicht. Die Polizei griff ein, nachdem eines der Mädchen als vermisst gemeldet worden war. In Deutschland wurde das Auto gestoppt – die Reise war beendet, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte. Die Jugendlichen wurden zurück nach Österreich gebracht. Der Plan, sich dem IS anzuschließen, war gescheitert.
Am Ende standen nun die Urteile: Der Hauptangeklagte erhielt 15 Monate, davon fünf unbedingt. Da er diese Zeit bereits in U-Haft verbracht hatte, wurde er direkt entlassen – ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk, er wird morgen 18. Der zweite 17-Jährige kam mit einer Zusatzstrafe davon, insgesamt 15 Monate bedingt. Die beiden Mädchen erhielten vier bzw. sechs Monate – ebenfalls bedingt.
Alle vier müssen nun an Deradikalisierungsprogrammen teilnehmen. Zusätzlich wurden Bewährungshilfe, Psychotherapie und Anti-Gewalt-Trainings angeordnet. Ein geplanter Weg in den Terror – gestoppt im letzten Moment. Die milden Urteile dürften jetzt für Diskussionen sorgen.