Nur wenige Wochen nach seiner Enthaftung sitzt ein 15-Jähriger erneut in Untersuchungshaft – nun liegt eine neue Terroranklage gegen ihn vor. Das bestätigte die Sprecherin des Landesgerichts, Christina Salzborn.
Der Jugendliche war bereits im Zusammenhang mit Anschlagsplänen gegen den Wiener Westbahnhof im Juli 2025 verurteilt worden. Damals erhielt er zunächst zwei Jahre teilbedingte Haft.
In zweiter Instanz wurde das Strafmaß erhöht: Das Oberlandesgericht Wien setzte Anfang Oktober drei Jahre Haft fest, davon ein Jahr unbedingt. Nach Anrechnung der Untersuchungshaft kam der 15-Jährige dennoch im Oktober auf freien Fuß.
Am 25. November wurde er jedoch erneut festgenommen. Der Verfassungsschutz hatte ihn observiert und mutmaßlich terroristisch motivierte Aktivitäten festgestellt. Seither befindet sich der Jugendliche wegen Tatbegehungsgefahr wieder in U-Haft.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nun terroristische Vereinigung, kriminelle Organisation sowie terroristische Straftaten vor. Laut Ermittlungen soll sich der 15-Jährige während seiner Haft und auch danach weiter radikalisiert und im Sinne der Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) betätigt haben.
Bei seiner Festnahme war seitens der Polizeibehörden von einer "hohen Affinität zu radikal-islamistischer Propaganda sowie zu Stichwaffen und ähnlichen Gegenständen" die Rede.
Dem erneuten Zugriff waren Observationen des Wiener Landesamts für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) vorausgegangen. Dabei zeigte sich, dass der Jugendliche wiederholt versucht haben soll, Waffen zu erwerben.
Am 19. November wollte er ein Kampfmesser kaufen. Einen Tag später soll er versucht haben, neben einem Teleskop-Schlagstock und Quarzhandschuhen sogar eine Faustfeuerwaffe zu erwerben. Die Schusswaffe erhielt er jedoch nicht, da ihm im Geschäft mitgeteilt wurde, diese sei "nicht verkäuflich".
Wegen seiner Vorstrafe war gegen den 15-Jährigen ein Waffenverbot verhängt worden. Um dieses zu umgehen, soll er einen drei Jahre älteren Cousin vorgeschickt haben. Dieser erstand schließlich ein Jagdmesser, während der Jugendliche draußen wartete. Daraufhin sahen LSE und die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) Gefahr im Verzug.
Gemeinsam mit Beamten des LSE stürmte das Einsatzkommando Cobra die Wohnung der Eltern des Jugendlichen in Wien-Hernals. Nach der Festnahme wurde eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Dabei stellten die Ermittler das Mobiltelefon des 15-Jährigen sicher, auf dem sich IS-Propagandamaterial befunden haben soll. Dieses soll er diesmal jedoch nicht weiterverbreitet haben.
Die zur Bewährung ausgesetzten zwei Jahre aus dem ersten Urteil könnten nun wegen des raschen Rückfalls widerrufen werden. Ein Termin für die zweite Hauptverhandlung steht noch nicht fest. Die neue Anklage ist zudem noch nicht rechtskräftig. Der 15-Jährige kann bis Ende Februar Einspruch dagegen erheben.