Die Zahlen lassen aufhorchen: Bis 2030 wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter in Oberösterreich um 21.000 sinken. Gleichzeitig sind bereits jetzt rund 20.000 Stellen unbesetzt. Für die heimischen Unternehmen könnte es damit noch schwieriger werden, ausreichend Personal zu finden.
Auf diese Entwicklung machte Stefan Fink, Chefökonom von KPMG Österreich und Professor an der FH Oberösterreich in Steyr, bei einem Wirtschaftstreffen in Linz aufmerksam. Eingeladen hatte Christoph Leitl, Präsident der Initiative Wirtschaftsstandort OÖ (IWS).
Neben dem Personalmangel bereiten auch die Energiekosten Sorgen. Besonders betroffen ist Oberösterreich als wichtiger Industriestandort. Rund 80 Prozent des Erdgasverbrauchs im Bundesland entfallen auf die Industrie.
"Daher braucht es Anreize für Unternehmen, mit der Produktion im Land zu bleiben", erklärt Fink. Vor allem bei der Bürokratie, den Energiepreisen und den Lohnstückkosten sieht er Handlungsbedarf.
Auch die bevorstehende Pensionierungswelle dürfe nicht unterschätzt werden. "Die Pensionsdynamik darf nicht ignoriert werden und es braucht auch hier Anreize für die Jugend beim Thema Arbeit. Unsere Stärke ist das Humankapital – und die jungen Menschen im Land wollen und können arbeiten."
Trotz der schwierigen Ausgangslage sieht Fink Chancen für Oberösterreich. Er schlägt drei Maßnahmen vor, um den Wirtschaftsstandort langfristig abzusichern und die Produktivität zu erhöhen: Arbeit entlasten, Lohnnebenkosten gezielt senken und künstliche Intelligenz verstärkt in der Industrie einsetzen.
Energieversorgung verbessern: Stromnetze und Speicher ausbauen, erneuerbare Energie stärker nutzen und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren. Neue Geschäftsfelder erschließen: Das Wissen der heimischen Autoindustrie auch in anderen Bereichen einsetzen, etwa in der Verteidigungsindustrie, Energietechnik und Luftfahrt.
Fink betont, dass künstliche Intelligenz dabei nicht als Hindernis, sondern als Unterstützung für die Beschäftigten gesehen werden sollte