Die Zahl der Unfälle mit E-Bikes und E-Scootern steigt rasant – doch die geplante Helmpflicht in der 36. StVO-Novelle sei laut ÖAMTC nicht treffsicher. "Der Entwurf reflektiert das Unfallgeschehen unzureichend und stellt allenfalls eine Diskriminierung von Jugendlichen dar", kritisiert Bernhard Wiesinger, Leiter der Interessenvertretung.
Die Zahlen für 2024 sprechen eine deutliche Sprache:
➤2.721 verunglückte E-Bike-Fahrende, davon 13 Tote
➤2.102 E-Scooter-Unfälle, davon 14 Tote
Im 1. Halbjahr 2025 bereits 1.127 E-Scooter-Unfälle, das sind +31 % gegenüber dem Vorjahr
Laut ÖAMTC-Unfallforscher David Nosé sei der gesetzliche Fokus auf Jugendliche nicht nachvollziehbar: "Nur zwei Prozent der E-Bike-Verunglückten waren 13 bis 14 Jahre alt – die höchsten Zahlen sehen wir in der Altersgruppe von 55 bis 67 Jahren."
Eine ÖAMTC-Erhebung mit knapp 15.000 Beobachtungen zeigt:
➤52 % der E-Bike-Fahrenden in der Stadt tragen Helm
➤80 % an Freizeitrouten
➤Bei E-Scooter-Nutzer:innen liegt die Helmquote hingegen bei nur 10 %
Die Unfallstatistiken bestätigen laut Club den Zusammenhang mit schwereren Verletzungen bei E-Scootern ohne Helm.
➤Helmpflicht für alle E-Scooter-Fahrer – unabhängig vom Alter
➤"Helmpflicht light" für E-Biker – ohne Strafe, aber gesetzlich verankert
Wiesinger verweist auf ein Urteil des OGH: "Dass Schadenersatzforderungen ohne Helm reduziert werden, kommt bereits einer stillen Helmpflicht gleich."
Notarzt Wolfgang Voelckel von der ÖAMTC-Flugrettung berichtet aus der Praxis:
"Bei E-Bike- und E-Scooter-Unfällen beobachten wir deutlich schwerere Verletzungen, wenn kein Helm getragen wurde." Sein Appell: "Ein Helm kann keinen Unfall verhindern, aber das Risiko schwerster Verletzungen senken. Das erhöht die Überlebenschancen und erleichtert die Genesung erheblich."
Jährlich behandelt die ÖAMTC-Flugrettung rund 900 Patienten mit Schädel-Hirn-Traumata – oft wären Helme die einfachste Prävention gewesen.