Matthias Reim teilt im Gespräch mit "Schlager.de" überraschend gegen Branchen-Neulinge aus. "Wenn ich mir die Newcomer im Schlager anschaue, dann ist das alles sehr ähnlich. Immer die gleichen Sounds und Beats", sagt die Schlager-Ikone.
Sein Rat klingt zunächst simpel: "Du kannst dich nur durchsetzen, wenn du nicht so bist wie der Rest." Wer Erfolg haben wolle, müsse "komplett anders" sein. Ob das wirklich so einfach für junge Acts ist? Denn wie viel Einfluss ein Nachwuchskünstler tatsächlich auf Songs, Sound und Auftreten hat, entscheiden längst nicht immer die Musiker selbst.
Oft geben Labels und Sender vor, wie ein neuer Künstler klingen und sich präsentieren soll. Dazu kommen wenige TV-Chancen und ein Musikgeschäft, in dem Nachwuchstalente schnell liefern müssen. Unbekannte Künstler bekommen heute kaum noch die Zeit und das Budget, das frühere Generationen für ihren Aufbau hatten. Wer nicht sofort beim Publikum ankommt, kann in Shows und bei Plattenfirmen schnell wieder von der Bildfläche verschwinden.
Ausgerechnet ein bekannter Star wie Reim kann sich den Luxus eher leisten, musikalisch seinen eigenen Weg zu gehen und neue Nischen zu bedienen. Mit Hits wie "Verdammt, ich lieb dich!" hat er sich längst einen festen Platz in der Branche erarbeitet.
Für neue Acts ist der Weg nach oben dagegen deutlich steiniger. Sie müssen sich gezielt an den Zielgruppen etablierter Größen abarbeiten und hoffen, dass Covers, Duette oder gemeinsame Auftritte dabei helfen, dass die Schlagerfans auch sie als Teil der Branche akzeptieren.
Und die Wahrheit sieht aktuell noch härter aus: Nicht unbedingt Talent, sondern Algorithmen, Trends und Reichweite auf Social Media entscheiden darüber, wer überhaupt eine Chance bekommt. Etwas, wovon seine Kinder Marie und Julian Reim als Teil der jüngeren Schlager-Generation sicherlich ebenfalls ein Lied singen können.
Immerhin räumt Reim dann doch selbst ein, dass der Einstieg heute deutlich schwieriger geworden ist. "Das bedeutet auch, dass man als Künstler wesentlich schwerer reinkommt in diese ganzen Mechanismen, wie Spotify, YouTube, Instagram, TikTok", erklärt er im Talk mit "Schlager.de".
Zu seinen Anfangszeiten boten TV-Shows außerdem ganz andere Reichweiten: "Wir mussten unbedingt eine Fernsehsendung kriegen." Mit sieben oder acht TV-Auftritten habe man damals bis zu 50 Millionen Menschen erreicht. Heute sehe das anders aus: "Heute bist du bei einer Silbereisen-Sendung dabei und froh, wenn drei Millionen Menschen zuschauen." Für unbekannte Talente gibt es dort allerdings ohnehin nur begrenzt Platz.
Deshalb müsse ein Künstler inzwischen auf mehreren Plattformen gleichzeitig werben: "Du musst auf Facebook, Instagram und TikTok Werbung dafür machen." Für den Nachwuchs bedeutet das: musikalisch auffallen, Social Media bespielen, Trends mitmachen und gleichzeitig versuchen, überhaupt eine Bühne zu bekommen.