Zu gefährlich

"Ein Albtraum" – Auswanderin flüchtet aus WM-Land

Michelle Löliger wollte in Mexiko-Stadt mit ihrer Tochter einen Neuanfang wagen. Doch nach viel Angst kehrte sie zurück in die Schweiz.
Newsdesk Heute
19.05.2026, 15:10
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Für Michelle Löliger war Mexiko-Stadt eigentlich ein Stück Heimat. Ihre Mutter stammt aus Mexiko, ihr Vater ist Schweizer. Geboren wurde sie in Basel, einen Teil ihrer Kindheit hat sie ebenfalls in Mexiko verbracht. 2025 wollte sie mit ihrer Tochter Sophia noch einmal das Abenteuer wagen. Wie "20 Minuten" berichtet, wurde ihre Geschichte sogar vom Schweizer Fernsehen begleitet – passend zur Fußball-WM.

Sophia, die Tochter, sollte mehr Zeit mit ihren Großeltern verbringen. Doch das Leben in der Millionenstadt wurde für Mutter und Tochter zur echten Belastungsprobe. "Es war Überleben, nicht Leben", erinnert sich Löliger gegenüber "Blick".

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Tochter durfte kaum raus – zu gefährlich

Der Alltag in Mexiko-Stadt war alles andere als einfach. Sophia konnte sich nicht so frei bewegen, wie sie es aus der Schweiz gewohnt war. "Es ist zu gefährlich", sagt Löliger. Sie spricht offen über Drogen, Mafia und andere Gefahren in der Stadt.

Am Anfang schien alles zu klappen. Löliger fand Arbeit als Fitnesstrainerin und stemmte es sogar, die Schweizer Schule für ihre Tochter zu zahlen – rund 765 Euro im Monat.

Hund musste weg – das Schlimmste für sie

Doch dann ging es bergab: Ihr Fitnessstudio sperrte zu, Löliger stand plötzlich ohne Einkommen da. Die Wohnung konnte sie sich nicht mehr leisten, sie zog mit Sophia zu ihren Eltern. Dort war es eng – und ihr Hund Coco musste weg. "Sie wegzugeben, war das Allerschlimmste!", sagt sie. Am Ende blieb nur die Rückkehr in die Schweiz.

Schwere Krankheit vor dem Rückflug

Kurz vor der Heimreise folgte der nächste Schock. Die Schweizer Botschaft half schon bei der Organisation des Rückflugs, als Löliger einen Monat vorher schwer erkrankte. "Ich hatte eine Sepsis", erzählt sie. Es folgte eine schwere Bauch-Operation, die Überlebenschancen lagen bei 50 Prozent. "Ich war geschockt – was wäre mit Sophia?", sagt sie.

Zurück in der Schweiz – auf Hilfe angewiesen

14 Tage nach der OP schafften es Michelle und Sophia zurück in die Schweiz. Dort half das Sozialamt, sie lebten zuerst in einer Notwohnung. Für Löliger war das schwer, aber sie ist dankbar.

"Wenn man wirklich Hilfe braucht, auch seelisch, erhält man sie und landet nicht auf der Straße wie in Mexiko", sagt sie. Die Zeit war ein Albtraum, zu viel für sie und ihre Tochter. Beide sind jetzt in Therapie. Trotzdem schaut Löliger nach vorne. Ihr größtes Ziel: ein Job. "Ich will alles, nur nicht vom Sozialamt leben", sagt sie.

Sophia träumt von Tieren, Michelle von Fitnessstudio

Auch Sophia muss sich neu orientieren. Sie geht weiter in die Schule und will später Tierärztin oder Tierpflegerin werden. Michelle Löliger träumt von einem eigenen Fitnessstudio.

Nach Mexiko möchte Löliger irgendwann wieder reisen – aber nur, wenn ihr Leben stabil ist. "Ich liebe mein Mexiko", sagt sie. Ein Leben dort kann sie sich nur als Millionärin vorstellen, und dann lieber am Meer als in der Großstadt.

Zu ihrer Familie in Mexiko hat sie momentan keinen Kontakt. Besonders schmerzt sie, dass sie ihren Hund Coco abgeben musste und sich nicht unterstützt fühlte. "Mein Bruder, der ein Heim für Straßenhunde hat, hat uns nicht geholfen, sie zu platzieren."

Als Doppelbürgerin wird sie wohl immer zwischen zwei Welten stehen. Doch für den Moment ist klar: "Heimat ist für mich jetzt mehr die Schweiz." Hier sieht sie für ihre Tochter eine sichere Zukunft.

{title && {title} } red, {title && {title} } 19.05.2026, 15:10
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