Der Eislaufverein am Wiener Heumarkt hat schon wieder geöffnet, die Wiener lassen die Kufen glühen. Wenn Präsident Thomas Meixner über den Wiener Eislaufverein (WEV) spricht, wird schnell klar: Der traditionsreiche Verein am Heumarkt ist für den 57-Jährigen weit mehr als nur eine sportliche Wirkungsstätte. Seit vielen Jahren engagiert er sich für den Eissport und die Zukunft des Vereins.
Mit zwei Jahren stand Meixner erstmals selbst auf dem Eis, heute sorgt er als Präsident des WEV dafür, dass der Betrieb läuft. Pünktlich zum Saisonstart am 5. November kehrte auf der Freiluft-Kunsteisbahn wieder das Leben zurück.
"Ich bin zuständig für alles und jeden", sagt Meixner über seine Aufgaben. Seit zwölf Jahren ist er im Vorstand des Wiener Eislaufvereins (WEV), seit sechs Jahren steht er an dessen Spitze. Dass er sich dabei für nichts zu schade ist, gehört für ihn dazu. Wenn es nötig ist, greift der Präsident auch selbst zum Wischmopp, erzählt er im Gespräch mit "Heute".
Die Begeisterung für den Eissport wurde Meixner praktisch in die Wiege gelegt. Sein Vater war selbst begeisterter Eisläufer und engagierte sich im Vorstand des WEV. Auch der Sohn verbrachte schon als Kind fast jeden Tag auf dem Eis. Zunächst war Meixner als Eisschnellläufer aktiv, später wechselte er in die Vereinsführung des WEV.
Dass der WEV auch nach fast 160 Jahren nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat, zeigen die Besucherzahlen: Rund 260.000 Menschen kamen in der vergangenen Saison auf die Eisfläche. Für Meixner liegt ein wesentlicher Grund für den Erfolg in der besonderen Lage. Der Verein befindet sich mitten in Wien, ist also gut erreichbar. "Eislaufen ist ein beliebter Sport und auch vergleichsweise kostengünstig", erklärt der Präsident.
Neben dem Publikumslauf setzt der WEV deshalb auf ein breites Angebot für den Nachwuchs und Erwachsene. In Kursen können Interessierte das Eislaufen erlernen oder ihre Fähigkeiten im Eiskunstlauf, Eistanzen und Eishockey verbessern. Auch der Leistungssport hat seinen Platz.
Der Betrieb einer großen Freiluft-Kunsteisbahn ist allerdings teuer. Steigende Energiepreise und laufende Instandhaltung stellen den Verein vor Herausforderungen. Denn der WEV finanziert sich zu 100 Prozent selbst. "Jeder spürt die Teuerung. Weil Eislaufen aber noch ein vergleichsweise günstiger Sport ist, beobachten wir mehr Zulauf. Wir haben also mehr Einnahmen, aber auch mehr Kosten", beschreibt Meixner die wirtschaftliche Situation.
Auch bei den Eintrittspreisen muss der Verein auf die wirtschaftliche Entwicklung reagieren. Heuer wurden die Preise um rund fünf Prozent angepasst. Eine automatische jährliche Erhöhung gibt es laut Meixner aber nicht. Stattdessen werde die Situation jeweils neu beurteilt. "Wir schauen, was wir einnehmen. Erhöhungen machen wir eher bei den Erwachsenen", sagt er. Gerade für junge Eisläufer soll der Sport nämlich leistbar bleiben.
Der Eislaufverein lebt nicht allein vom Wintergeschäft. In den wärmeren Monaten wird das Gelände für Veranstaltungen genutzt und ist laut Meixner fast immer ausgebucht. "Der gute Mix macht es aus", so der Präsident. Die Einnahmen aus dem Sommergeschäft sind damit ein wichtiger Teil des Konzepts, mit dem der Verein seinen Betrieb aufrechterhält.
Damit die traditionsreiche Anlage auch künftig genutzt werden kann, wird laufend investiert. Die Eishockey-Arena wurde heuer komplett modernisiert – mit neuen Banden, neuer Verglasung und moderner Beschallung – die Eishalle samt Garderoben erneuert und eine eigene Schiedsrichterkabine errichtet. Dazu kommen Wartungsarbeiten an den Maschinen sowie Sanierungen. "Wir sind ständig am sanieren und verbessern", sagt Meixner.
Eine Herausforderung bleibt das Wetter. Früher startete die Eislaufsaison üblicherweise Mitte Oktober, mittlerweile musste der Beginn bereits um rund 14 Tage nach hinten verschoben werden. Der reguläre Betrieb dauert derzeit von Anfang November bis Anfang März, abhängig von den Bedingungen kann die Saison verlängert werden.
"Gegen den Klimawandel können wir als Verein nichts machen, wir müssen damit leben", sagt Meixner. Der Verein versuche, die Eisfläche so lange wie möglich offen zu halten. Gleichzeitig müsse man berücksichtigen, dass der Betrieb Geld kostet. "So lange es geht, machen wir Eis. Wir werden Wege finden", zeigt sich der Präsident zuversichtlich.
Der Blick in die Zukunft verspricht einiges: 2027 feiert der Wiener Eislaufverein sein 160-jähriges Bestehen. Eine große Feier ist bereits geplant. Darüber hinaus gibt es Ideen für neue Programmpunkte und Formate. Welche das sein werden, möchte Meixner vorerst allerdings noch nicht verraten.
Eines dürfte aber feststehen: Wenn Anfang November die ersten Besucher wieder ihre Runden drehen, wird auch der Präsident selbst nicht weit sein – "selbstverständlich" besitzt er eine Saisonkarte. Schließlich ist das Eis für ihn seit 55 Jahren ein fixer Bestandteil seines Lebens.