Da spielt die Musik – aber offenbar nicht für alle am richtigen Platz! Bei den weltberühmten Berliner Philharmonikern sorgt ausgerechnet die Sitzordnung für einen handfesten Krach. Im Mittelpunkt des ungewöhnlichen Zoffs: Star-Dirigent Iván Fischer und die Frage, wo die Kontrabässe stehen sollen.
Der ungarische Maestro wollte die mächtigen Streichinstrumente bei Gustav Mahlers Fünfter Symphonie unbedingt mittig hinter den Holzbläsern platzieren. Doch das Orchester stellte sich quer. Die Folge: Fischer wird bei den beiden Konzerten am 5. und 7. November kurzerhand ersetzt!
Ganz neu ist der musikalische Zoff nicht. Bereits 2022 hatte Fischer bei einer Aufführung von Mahlers Erster Symphonie seine Wunschaufstellung durchgesetzt. Begeistert waren die Musiker davon offenbar nicht.
Der Grund: In der Berliner Philharmonie fehlen hinter den Kontrabässen die Rückwände, die den Schall in den Konzertsaal reflektieren könnten. Das beeinträchtige den Gesamtklang, argumentiert das Orchester. Auch der wichtige Blickkontakt zwischen den Musikern sei durch die ungewöhnliche Aufstellung erschwert worden.
Eine Wiederholung? Für die Philharmoniker ausgeschlossen!
Fischer hingegen versteht die Aufregung nicht. In einem Instagram-Video bezeichnet er seine bevorzugte Sitzordnung als "hochwichtig". Für den Klang und die musikalische Einheit von Mahlers Fünfter sei sie entscheidend. Kompromisse? Fehlanzeige!
Im Interview mit dem Musikmagazin "VAN" erklärt der Dirigent, dass er seit Jahrzehnten mit ungewöhnlichen Orchesteraufstellungen experimentiere. So lasse er etwa Holzbläser gerne etwas höher sitzen als Blechbläser. Auch die Kontrabässe gehörten seiner Meinung nach in die Mitte.
Seine Überzeugung: Wenn die Holzbläser den Bass direkt hinter sich hören, spielen sie harmonischer und rhythmisch präziser zusammen.
Für seine ungewöhnliche Sitzordnung hat Fischer sogar prominente Rückendeckung aus der Musikgeschichte. Historische Aufnahmen von Gustav Mahler und dem legendären Dirigenten Arthur Nikisch würden zeigen, dass ähnliche Aufstellungen schon vor mehr als 100 Jahren verwendet wurden.
Doch alle Argumente halfen nichts. Die Philharmoniker blieben bei ihrem Nein.
Am Ende zog das Orchester die Reißleine. Die Trennung für die beiden Konzerte sei "im gegenseitigen Einvernehmen" erfolgt, heißt es offiziell. Beide Seiten würden die Entscheidung bedauern und die jeweilige Position respektieren.
Statt Fischer schwingt nun der kolumbianische Dirigent Andrés Orozco-Estrada am 5. und 7. November den Taktstock.
Damit ist zumindest eines geklärt: Wer am Dirigentenpult steht. Wo die Kontrabässe sitzen, dürfte künftig trotzdem noch für Gesprächsstoff sorgen.