Umstrittene Äußerungen

Eklat um US-Botschafter – Franzosen sperren ihn aus

In Frankreich ist ordentlich Sand im Getriebe der Diplomatie. Umstrittene Kommentare des US-Botschafters führten zu Sanktionen.
Newsdesk Heute
24.02.2026, 22:23
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Die französische Regierung hat dem US-Botschafter Charles Kushner kurzerhand den Zugang zu Regierungsmitgliedern untersagt. Grund dafür sind laut "20 Minuten" Äußerungen der US-Botschaft auf X, die sich in die französische Innenpolitik eingemischt haben. Obendrauf ist Kushner gleich zweimal der Einladung des französischen Außenministeriums nicht nachgekommen.

Frankreichs Chefdiplomat Jean-Noël Barrot stellte klar: "Frankreich duldet keine Einflussnahme oder Instrumentalisierung des inländischen Diskurses durch die Behörden eines Drittstaates."

Tödlicher Angriff in Lyon – politische Wellen schlagen hoch

Im Februar ist in Lyon ein 23-jähriger Aktivist nach einem Angriff am Rande einer rechten Kundgebung gestorben. Die Justiz in Frankreich sucht noch immer nach den genauen Hintergründen und Verantwortlichen. Die Familie des Opfers widerspricht Darstellungen, wonach Quentin Deranque rechtsextrem gewesen sein soll. Laut dem Investigativmedium "Mediapart" war er allerdings im Mai bei einem Neonazi-Marsch in Paris dabei und hat an einem Boxtraining einer rechtsextremen Gruppe teilgenommen.

Während Präsident Macron zur Gewaltfreiheit aufruft, wirft der französische Außenminister der US-Regierung vor, die Tragödie politisch auszuschlachten. Die US-Botschaft hatte auf X vor einer Bedrohung durch "linksgerichtete Militante" gewarnt und geschrieben, man erwarte, dass die "Gewalttäter vor Gericht gestellt werden".

"Keine Lektionen von außen – besonders nicht bei Gewalt"

Außenminister Barrot betonte: "Wir lehnen jede politische Instrumentalisierung dieser Tragödie ab, die eine französische Familie in Trauer gestürzt hat." Außerdem brauche Frankreich "keine Belehrungen von der internationalen reaktionären Bewegung, insbesondere nicht in der Frage der Gewalt". Diese Aussagen veröffentlichte Euronews.

Wegen des umstrittenen X-Posts wurde Kushner ins Außenministerium zitiert. Er erschien dort jedoch nicht selbst, sondern schickte einen Vertreter – das sorgte für zusätzlichen Ärger. Paris reagierte prompt und kappte Kushners direkten Draht zu Regierungsmitgliedern. Das war nach der Einbestellung ein weiteres deutliches Zeichen, dass Frankreich mit dem Verhalten des US-Botschafters alles andere als zufrieden ist.

Telefonat soll die Wogen glätten

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, hat Kushner nach dem diplomatischen Eklat zum Hörer gegriffen und Außenminister Barrot angerufen. Aus dem Umfeld Barrots heißt es, die beiden wollen sich in den nächsten Tagen persönlich treffen.

Im Gespräch betonte Barrot erneut, dass Frankreich keine Einmischung in den eigenen Diskurs dulde. Kushner habe das zur Kenntnis genommen und gemeint, er wolle sich nicht weiter in die Debatte einmischen.

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