Mit dem Song "Video killed the Radio Star" von den Buggles begann einst das Zeitalter des Musikfernsehens – und nun schließt sich ein Kreis. In den frühen Morgenstunden des 1. Jänner läuft das letzte Musikvideo auf MTV.
Mit dem Ende der Musikkanäle des deutschen Ablegers geht eine prägende Ära der TV-Unterhaltung im deutschsprachigen Raum zu Ende. Fast vier Jahrzehnte lang stand MTV wie kein anderer Sender für Popkultur und veränderte nachhaltig, wie Musik entdeckt, gesehen und erlebt wurde.
Der Sender startete 1997 in Deutschland als MTV Central und entwickelte sich rasch zur wichtigsten Anlaufstelle für Musikvideos. Über Jahre hinweg debütierten hier exklusiv die neuesten Clips internationaler Stars, aber auch deutschsprachige Künstler nutzten MTV als Sprungbrett.
Rammstein präsentierten etwa 2004 in der Sendung "MTV Select" erstmals ihr Video zu "Amerika", Tokio Hotel wurden durch die hohe Rotation ihrer Clips auch international bekannt. MTV war damit weit mehr als nur ein Musikkanal – es war ein kultureller Taktgeber für ganze Generationen.
Auch "MTV Unplugged" schrieb Musikgeschichte. Legendäre Auftritte wie Nirvana in New York oder Konzerte von Oasis gingen um die Welt.
Auch im deutschsprachigen Raum hinterließ das Format Spuren: Künstler wie Andreas Gabalier oder Christina Stürmer präsentierten sich hier in einem völlig neuen, reduzierten Setting und erreichten damit ein Millionenpublikum.
Nun zieht der Medienkonzern Paramount, der sich nach der Übernahme durch Skydance neu ausrichtet, den Stecker bei den europäischen MTV-Bezahlsendern. Sparmaßnahmen und der wachsende Konkurrenzdruck durch Plattformen wie YouTube und TikTok gelten als Hauptgründe.
Die Sehgewohnheiten haben sich grundlegend verändert: Musikvideos werden heute überwiegend online konsumiert, klassische TV-Formate verlieren an Bedeutung.
Ab dem 1. Jänner setzt MTV Germany daher verstärkt auf US-amerikanisches Reality-TV, Dokusoaps und Clipshows. Formate wie "Ex on the Beach US", "Caught in the Act: Unfaithful", "Teen Mom", "Catfish: The TV Show" oder diverse Tattoo-Shows bestimmen künftig das Programm – viele davon sind schon seit Jahren fixer Bestandteil des Senders. Regelmäßige Musikvideo-Strecken verschwinden dagegen vollständig aus dem linearen Programm.
Ganz ohne Musik bleibt MTV dennoch nicht. Große Events wie die MTV Video Music Awards sollen weiterhin ausgestrahlt werden.
Zum Abschied gibt es am Mittwoch, am 31. Dezember noch einmal ein nostalgisches Programm: Zwischen 10 und 12:45 Uhr laufen ein letztes Mal die Sendungen "MTV 80s", "MTV 90s" und "MTV 00s". In der Primetime steht noch ein finales "MTV Unplugged" auf dem Plan, danach folgen "M Is For Music" und in der Nacht "MTV In The Mix". Ein letztes Aufbäumen der Musik, bevor endgültig Schluss ist.
MTV war immer mehr als nur ein Sender. Es war Bühne, Experimentierfeld und Sprachrohr für Pop, Rock und Jugendkultur. Dass nun ausgerechnet ein Musiksender ohne Musikvideos auskommen muss, ist ein deutliches Zeichen des Wandels. Doch so wie das Radio einst überlebte, wird auch die Musik ihren Platz behalten – nur eben auf neuen Wegen.