Catherine de Noire leitet ein legales Bordell in Europa. Im Gespräch mit Erobella.com gibt sie Einblicke in den Alltag hinter den Kulissen – und verrät, wie sich das Geschäft ausgerechnet am wohl romantischsten Tag des Jahres, dem Valentinstag, verändert.
Ja, der Valentinstag ist tatsächlich ein ziemlich gut besuchter Tag. Tagsüber wird das Etablissement überwiegend von verheirateten Männern oder Männern in Beziehungen besucht, die Zeit mit ihrer Lieblings-Sexarbeiterin verbringen möchten und ihr vielleicht Blumen oder ein kleines Geschenk mitbringen. Am Abend ändert sich das Publikum spürbar: Dann füllt sich der Club eher mit Singles, die diesen Tag nicht allein verbringen wollen. Manche kommen nach ein paar Bier mit Freunden, andere gehen direkt zu uns. Gleichzeitig sind viele Sexarbeiterinnen selbst in Beziehungen und verbringen den Valentinstag lieber mit ihren Partnern. Einige entscheiden sich dennoch zu arbeiten – und manche verlangen an diesem Tag sogar einen Aufpreis.
Meistens lässt sich das gar nicht trennen. Sehr wenige Männer kommen herein, ziehen einfach die Hose herunter und wollen 'nur' Sex. Die meisten möchten reden, sie möchten sich fühlen, als wären sie mit einem echten Menschen zusammen und nicht mit einem Roboter. Gerade am Valentinstag spüren manche Männer ihre Einsamkeit stärker als sonst. Sie möchten nicht allein bleiben oder durch Bars ziehen, die voller anderer Alleinstehender sind. Stattdessen entscheiden sie sich dafür, Geld für einen Abend auszugeben, der ihnen Nähe, Aufmerksamkeit und ein gutes Gefühl vermittelt.
Ja, das kommt vor. Und jedes Mal denke ich zuerst: Jetzt könnte es kompliziert werden. In etwa neunzig Prozent der Fälle handelt es sich um Paare, die schon etwas getrunken haben und spontan die Idee hatten, gemeinsam ein Abenteuer auszuprobieren. Das Problem ist meist, dass sie vorher nicht klar über Grenzen gesprochen haben – darüber, was sie wirklich möchten und was ein absolutes Tabu ist. Deshalb endet es sehr häufig in Tränen oder Streit. Die Idee an sich ist jedoch keineswegs schlecht. Wer so eine Erfahrung machen möchte, ist bei einer professionellen Person oft besser aufgehoben als in einer zufälligen Begegnung, bei der später Gefühle oder Erwartungen entstehen können. Entscheidend ist nur, dass man vorher offen miteinander spricht – sonst geht es fast immer schief.
Ehrlich gesagt passiert so etwas beinahe täglich. Viele Menschen kommen mit Fantasien zu uns, die sie in einem geschützten Rahmen ausprobieren möchten. Manche davon haben für Außenstehende gar nichts Offensichtliches mit Sexualität zu tun, sind für die betreffende Person aber sehr intensiv. Es gibt Gäste, die allein durch bestimmte alltägliche Situationen erregt werden, andere mögen Rollenspiele oder Kostüme. Ich finde es schön, dass wir ein Ort sind, an dem Menschen ihre Vorlieben entdecken können, ohne sich verurteilt zu fühlen. Für mich ist ein Bordell eine Art Spielplatz für Erwachsene – ein Raum, in dem man sich selbst ausprobieren darf, solange alles legal ist und alle Beteiligten einverstanden sind.
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Das kommt nicht oft vor. Für die meisten ist es Arbeit, und die Kunden werden eher als Geschäftspartner gesehen. Viele Sexarbeiterinnen führen selbst Beziehungen und ziehen klare Grenzen, um diese nicht zu gefährden. Eine Geschichte fällt mir dennoch ein, die fast wie ein Märchen endet. Eine Frau, die bei uns arbeitete, hatte einen furchtbaren Freund. Er behandelte sie schlecht, arbeitete nicht und lebte von ihrem Geld. Jahrelang versprach er ihr, sie zu heiraten und mit ihr eine Familie zu gründen – passiert ist nichts. Schließlich trennte sie sich von ihm. Plötzlich bemühte er sich sehr, kaufte sogar einen Ring, doch sie ließ sich nicht mehr darauf ein. Stattdessen konzentrierte sie sich ganz auf ihre Arbeit, sparte Geld und baute sich etwas auf. Zwei Jahre lang arbeitete sie konsequent, kaufte sich ein Haus, eine Wohnung und ein Auto – dann beschloss sie aufzuhören. In ihrer letzten Woche lernte sie einen Kunden kennen. Sie verbrachten eine ganze Nacht miteinander, und er kam an den folgenden Tagen immer wieder. Am Wochenende trafen sie sich außerhalb des Clubs, und als sie am Montag eigentlich in ihre Heimat zurückfliegen wollte, blieb sie stattdessen bei ihm. Heute sind die beiden verheiratet und haben ihr erstes Kind.
Als Club selbst bieten wir keine speziellen Aktionen an. In unserem Haus entscheiden die Sexarbeiterinnen eigenständig über ihre Leistungen und Preise. Es würde nicht zu unserem Konzept passen, wenn wir Valentinsangebote für intime Dienstleistungen vorgeben würden. Manche dekorieren ihre Zimmer oder tragen thematische Dessous, aber das liegt ganz in ihrer eigenen Hand.