Tätowieren ist längst Mainstream – biologisch gesehen ist es trotzdem ein Eingriff. Forschende um Santiago Gonzalez von der Università della Svizzera italiana (USI) haben im Mausmodell nachvollzogen, was nach dem Stechen mit Farbe passiert. Dafür bekamen rund 40 Mäuse kleine Tattoos in Schwarz, Rot oder Grün.
Das Experiment zeigte: Die Tinte bleibt nicht nur in der Haut, sondern wird rasch über die Lymphbahnen abtransportiert und sammelt sich in kurzer Zeit in den nächstgelegenen Lymphknoten. Dort nehmen vor allem Makrophagen (Fresszellen) die Partikel auf – abbauen können sie sie aber kaum.
Das löst Entzündungen aus: zunächst akut kurz nach dem Tattoo, später länger anhaltend. In der PNAS-Studie von 2025 waren noch zwei Monate später Entzündungszeichen im Lymphknoten messbar. Außerdem starben tinten-beladene Fresszellen häufiger ab (Apoptose). Ein Kreislauf, der die Immunaktivierung wiederholt anstoßen kann.
Brisant wurde es bei Impfungen: Wurde eine mRNA-basierte SARS-CoV-2-Impfung in eine Körperregion verabreicht, deren Lymphknoten bereits Tattoo-Pigmente enthielten, fiel die Antikörperantwort bei den Mäusen geringer aus. Bei einer UV-inaktivierten Grippeimpfung zeigte sich hingegen teils eine stärkere Antwort. Das deutet darauf hin, dass Pigmente die Immunsignale je nach Impfstoff unterschiedlich beeinflussen können.
Die Forschenden warnen selbst, dass die Effekte auf den Menschen noch nicht ausreichend verstanden sind – in Labortests mit menschlichen Immunzellen gab es jedoch ähnliche Hinweise.