Kinderbetreuung "keine Arbeit"

Enthüllt: SIE führte Kanzler Stocker aufs Glatteis

Der Bundeskanzler musste sich nach unüberlegten Aussagen bei einem Bürgerforum entschuldigen. Auslöser war eine Frage von Steffi zum Thema Frauen.
Leo Stempfl
07.08.2026, 20:09
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Ein Bundeskanzler, der für ein Bürger-Forum nach Salzburg reist und sich dort heftig im Ton vergreift. Das ist schon Karl Nehammer passiert, als er Kinderarmut damit relativierte, dass die billigste warme Mahlzeit – ein Hamburger bei McDonald’s – eh nur 1,40 Euro koste. Und jetzt ist es Christian Stocker passiert.

Die Lebenshaltungskosten waren auch diesmal das prägende Thema. Auf die Frage, was er einem 25-Jährigen sagen würde, der in Salzburg keinen leistbaren Wohnraum finde, verwies der Kanzler auf das "Umland". Dort gebe es aus seiner Sicht durchaus leistbare Wohnungen. Wo genau konnte er nicht darlegen.

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Kanzler entschuldigt sich

Später musste sogar Stockers eigene Moderatorin, Arabella Kiesbauer, einer Fragestellerin beipflichten und die Antworten des Kanzlers relativieren. Eine Teilnehmerin hatte auf Zahlen verwiesen, wonach Mütter etwa in puncto Kinderbetreuung 96 Stunden pro Woche unbezahlt arbeiten. Für viele Frauen sei diese Mehrfachbelastung mit Erwerbsarbeit, Haushalt und Kinderbetreuung nicht mehr leistbar, sie würden sich deswegen gegen Kinder entscheiden.

"Ich würde das nicht als Arbeit sehen, ich sag's ganz ehrlich", so die Replik des Kanzlers, die laute Zwischenrufe und eben sogar eine Reaktion von Arabella Kiesbauer auslöste. "Man muss sagen, dass das System ohne uns Mütter zusammenbrechen würde, wenn wir das nicht alles so leisten würden, wie wir es tun. Und wir hätten einfach gerne, dass das gerechter aufgeteilt wird", so die Moderatorin.

Der Aufschrei war groß, und Stocker ruderte schon wenig später zurück. "Ein Satz von mir sorgt gerade für Diskussionen. Zu Recht, denn er ist falsch. Bei all jenen, die sich durch meine Aussage verletzt, beleidigt oder nicht wertgeschätzt fühlen, entschuldige ich mich in aller Deutlichkeit", so der Kanzler.

"Sprachlos, wie das in die Luft gegangen ist"

Doch die Debatte bleibt. Angestoßen wurde sie von Steffi – sie war es, die den Kanzler mit ihrer Wortmeldung aufs Glatteis führte. Am Freitag meldete sie sich bei Grünen-Chefin Leonore Gewessler – und willigte ein, per Videocall ihre Beweggründe darzulegen.

Sie sei schon mit einem gewissen "innerlichen Zunder" zu der Veranstaltung gegangen. "Für mich ist Familie und Frauen das wichtigste Thema, über das viel zu wenig geredet wird." Von der konservativen ÖVP fühle sie sich zu wenig gehört. Am Morgen danach sei sie "sprachlos" gewesen, dass die Causa derart "in die Luft gegangen" ist.

FPÖ nutze Thema aus

Steffi stört aber, dass Herbert Kickl jetzt das Thema aufgreift und so tue, als wäre die FPÖ etwas Besseres: "Die FPÖ macht selbst familienfeindliche und frauenfeindliche Politik. Das ist nur ein Ausnutzen des Themas und ich finde das nicht okay." Sie wünscht sich, dass die Geschichte "keine Eintagsfliege bleibt" und dass auch Männer sich zu Wort melden: "Was cool wäre, wenn auch Väter endlich aufstehen und die Anliegen ihrer Frauen einmal ernst nehmen."

Grünen-Chefin Gewessler hat dafür höchsten Respekt: "Wenn eine Frau sich nach so einer Aussage bei mir meldet, dann will ich nicht nur reagieren, sondern zuhören. Genau solche Gespräche zeigen, worum es eigentlich geht: um die Realität von Millionen Frauen in diesem Land, die tagtäglich Großartiges leisten, unbezahlt."

{title && {title} } leo, {title && {title} } Akt. 07.08.2026, 20:42, 07.08.2026, 20:09