Österreichs Ministerien stehen regelmäßig im Visier von Cyberkriminellen. Allein das Innenministerium registrierte im vergangenen Jahr 22 sogenannte DDoS-Attacken – bei einem Angriff gingen binnen zwei Minuten mehr als zehn Millionen Anfragen ein.
Die Zahlen gehen aus Antworten mehrerer Regierungsmitglieder auf eine parlamentarische Anfragenserie der FPÖ-Abgeordneten Rosa Ecker hervor. Demnach waren gleich mehrere Ressorts von Cyberattacken betroffen.
Besonders häufig handelt es sich um sogenannte Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS). Dabei werden Systeme mit enorm vielen Anfragen konfrontiert und sollen dadurch überlastet werden.
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) nennt konkrete Zahlen für sein Ressort. "Im Jahr 2025 ereigneten sich 22 Distributed Denial-of-Service (DDoS) Attacken", so Karner. Die Vorfälle ereigneten sich demnach zwischen Jänner und Juni, berichtet "Die Presse".
Teilweise erreichten die Angriffe enorme Dimensionen. "Die Größenordnung bewegte sich von 220.000 Anfragen pro zwei Minuten bis hin zu 10.600.000 Anfragen pro zwei Minuten", erklärt Karner. Woher die Angriffe tatsächlich kamen, ließ sich nicht feststellen. Laut Innenminister wurden dafür automatisierte und weltweit verteilte Systeme eingesetzt.
Neben den Überlastungsattacken wurde im Juni 2025 auch das E-Mail-System des Innenministeriums angegriffen. Öffentlich bekannt wurde der Vorfall im August des vergangenen Jahres.
Karner spricht nach der Untersuchung von einem ernst zu nehmenden Vorfall: "Die eingehende Analyse ergab, dass es sich um einen gezielten und professionellen Angriff handelt. Es wurden daraufhin umgehend Maßnahmen ergriffen, um den Sicherheitsvorfall zu bereinigen." Weitere Einzelheiten nennt der Innenminister mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.
Auch Verteidigungsministerin Claudia Tanner (ÖVP) bestätigt regelmäßige Attacken. Man müsse "sich regelmäßig gegen diverse Arten von Cyber-Angriffen verteidigen". Details hält Tanner zurück, "da weitere Ausführungen zu diesen Fragen sicherheitsrelevante Rückschlüsse auf die Einsatzbereitschaft des Österreichischen Bundesheeres zulassen würden".
Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) berichtet ebenfalls von zahlreichen Attacken. "Auch 2025 gab es eine Vielzahl von Überlastungsangriffen (DDoS)", erklärt sie. Diese hätten "einige Minuten bis Stunden" gedauert.
Im August 2025 war zudem der Verdacht auf ein mögliches Datenleck im Außenministerium aufgekommen. Experten untersuchten daraufhin den Fall. Laut Meinl-Reisinger erwiesen sich die IT-Systeme des Ministeriums als sicher.
"Die vorliegenden Erkenntnisse deuten darauf hin, dass einzelne Nutzerinnen und Nutzer von BMEIA-Webseiten auf ihren persönlichen Geräten Ziel von Schadsoftware-Angriffen wurden. Die Ursache eines möglichen Datenabflusses lag daher außerhalb des IT-Systems des BMEIA."
Erst vor wenigen Wochen hatte das Außenministerium außerdem den russischen Botschafter in Wien einbestellt. Hintergrund war eine Erklärung der EU-Staaten zu Cyberangriffen. Demnach stand eine russische Hackergruppe auch hinter einer Attacke auf das österreichische Außenministerium rund um den Jahreswechsel 2019/2020. Meinl-Reisinger bezeichnete derartige Angriffe Mitte Juli als "inakzeptabel".
Auch andere Ministerien berichten von Attacken. Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) gibt deren "Dauer von wenigen Minuten bis mehreren Stunden" an. Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) spricht von einer "Vielzahl von Überlastungsangriffen", Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) von "mehrere Überlastungsangriffe auf IT-Verfahren".
Auch das Landwirtschaftsministerium war betroffen. Die Verantwortlichen hinter solchen Angriffen eindeutig zu identifizieren, gestaltet sich allerdings schwierig.
"Die eindeutige Zuordnung des Ursprungs von DDoS-Angriffen ist aufgrund verwendeter technischer Verschleierungsmaßnahmen nicht möglich, weshalb keine gesicherten Angaben über den tatsächlichen Ursprung gemacht werden können", erklärt Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP).
Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) berichtet hingegen, dass bei Angriffen auf sein Ressort Erkenntnisse über die Herkunft gewonnen werden konnten. "Der Ursprung konnte ermittelt werden und die daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden zur weiteren Stärkung der Sicherheits- und Qualitätsprozesse genutzt".
Auch vor dem Bundeskanzleramt machen die Angreifer nicht Halt. Kanzler Christian Stocker (ÖVP) verwies auf eine Anfragebeantwortung aus dem Mai. Darin heißt es, das Kanzleramt sei "kontinuierlichen Angriffsversuchen im Cyberraum" ausgesetzt.
Mehrere Regierungsmitglieder machen gleichzeitig deutlich, dass DDoS-Attacken mittlerweile zu den laufenden Gefahren für die Ministerien zählen. Um die Auswirkungen möglichst gering zu halten, setzt der Bund laut den Angaben auf automatische Abwehrmaßnahmen und manuelle Eingriffe. Cyberattacken werden zudem den Strafverfolgungsbehörden gemeldet.