Oberösterreich stellt seine Förderung von Deutschkursen grundlegend um. Künftig werden Teilnahme und Anwesenheit tagesaktuell digital erfasst – wer einen vorgeschriebenen Kurs ohne triftigen Grund verweigert oder abbricht, muss mit Konsequenzen bei der Sozialhilfe rechnen.
Oberösterreich richtet als erstes Bundesland seine Deutschkursförderung vollständig nach den Qualitätsstandards des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) aus. Das gaben Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP), Landesrat Christian Dörfel (ÖVP) und ÖIF-Direktor Franz Wolf am Freitag bekannt.
Mit der Zusammenarbeit sollen die Kursstrukturen vereinheitlicht, Teilnehmerdaten durchgehend digital erfasst und die Angebote stärker am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet werden, berichten die "Oberösterreichischen Nachrichten".
Bisher wurden die Fördermittel für Deutschkurse im Land großteils über Rahmenzusagen an einzelne Organisationen vergeben. Grundlage dafür waren Prognosen über den erwarteten Bedarf.
Laut Dörfel hatte dieses Modell einen Nachteil: Waren Gelder einmal gebunden, konnten sie bei Veränderungen des regionalen Bedarfs während des Jahres kaum noch anders eingesetzt werden. Das soll sich nun ändern. Künftig setzt Oberösterreich auf flexible Rahmenverträge und will dadurch schneller auf den tatsächlichen Bedarf reagieren können.
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf rund 40 Gemeinden, in denen der Ausländeranteil über dem Landesschnitt von 20 Prozent liegt. Vorgesehen sind außerdem spezielle Angebote wie Wochenendkurse für Berufstätige oder Deutschkurse für Mütter inklusive Kinderbetreuung.
Ein zentraler Punkt der Reform ist die Verknüpfung der Daten von Land und Bund. Auch die Einstufung der Teilnehmer wird vereinheitlicht und digitalisiert.
Künftig soll das Sprachniveau über ein Tablet dynamisch ermittelt werden. Die Einstufungen sollen vor allem im ÖIF-Integrationszentrum in Linz stattfinden.
Von der Anmeldung über die tägliche Anwesenheit bis zum erfolgreichen Kursabschluss sollen sämtliche Informationen tagesaktuell über eine gemeinsame Datenbankschnittstelle dokumentiert werden. "Damit entsteht erstmalig ein durchgängiges System zwischen dem ÖIF und einem Bundesland", erklärte Bauer.
Die Daten sollen auch mit dem oberösterreichischen Sozialhilfesystem verknüpft werden. Wird einem Sozialhilfebezieher ein Deutschkurs vorgeschrieben und nimmt dieser ohne triftigen Grund nicht daran teil oder bricht ihn ab, können die zuständigen Behörden dies durch die tägliche Datenübermittlung unmittelbar sehen. In weiterer Folge können Kürzungen der Sozialhilfe veranlasst werden.
Das Modell wurde in Oberösterreich bereits in einer Pilotphase getestet und soll nach dem Willen der Integrationsministerin auch in anderen Bundesländern eingesetzt werden. "Oberösterreich nimmt hier eine Vorreiterrolle ein und ich wünsche mir, dass dieses Beispiel auch Schule macht, dass viele weitere Bundesländer folgen", so Bauer.
Das oberösterreichische Modell gilt zugleich als praktischer Vorläufer für das geplante bundesweite Integrationspflichtengesetz. Dieses soll nun bis Ende des Jahres fertiggestellt werden.