Der britische Ex-Banker und Whistleblower Simon Andriesz ist im Alter von 57 Jahren gestorben. Sein Tod wurde von Andy Agathangelou, Gründer der Organisation "Transparency Task Force", bestätigt.
"Mit großer Trauer teilen wir die Nachricht mit, dass Simon Andriesz, ein geschätztes Mitglied unserer Gemeinschaft, in der vergangenen Woche verstorben ist", erklärte Agathangelou.
Besondere Aufmerksamkeit bekommt sein Tod aufgrund der Enthüllungen, mit denen Andriesz erst in diesem Jahr international für Schlagzeilen sorgte. Er hatte brisante Informationen über die Verbindungen zwischen Jeffrey Epstein und dem heutigen US-Handelsminister Howard Lutnick öffentlich gemacht.
Andriesz hatte mehr als 35 Jahre in der Finanzbranche gearbeitet und war unter anderem Managing Director bei der Wall-Street-Firma BGC Group. Deren damaliger Chef war Howard Lutnick, der heute als US-Handelsminister tätig ist.
Bei der Durchsicht veröffentlichter Epstein-Akten stieß Andriesz auf eine E-Mail-Kette aus dem Jahr 2018. Darin diskutierten Lutnick und Epstein über die wirtschaftlichen Aussichten eines Start-ups, an dem beide beteiligt gewesen sein sollen.
Die Dokumente waren deshalb brisant, weil sie Fragen zu früheren Aussagen Lutnicks über das Ende seines Kontakts zu Epstein aufwarfen.
Lutnick räumte später bei einer Anhörung im US-Senat ein, Epstein im Jahr 2012 auf dessen Privatinsel besucht zu haben. Er erklärte, dort während eines Familienurlaubs gemeinsam mit seiner Frau, seinen vier Kindern und deren Nannys etwa eine Stunde lang zu Mittag gegessen zu haben.
Andriesz erklärte außerdem, bereits 2020 und 2021 Informationen über Lutnick und dessen Verbindungen zu Epstein an das FBI weitergegeben zu haben. Seine später entdeckten Dokumente stellte er auch dem zuständigen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses zur Verfügung.
Die Vorwürfe wurden von Lutnicks Umfeld zurückgewiesen. Das US-Handelsministerium erklärte im Zuge der BBC-Recherchen, es gebe keine Beweise für ein Fehlverhalten Lutnicks.
Andriesz beschäftigte sich zudem mit weiteren finanziellen Verbindungen im Umfeld Epsteins. Seine Recherchen berührten auch Zusammenhänge rund um die britischen Royals und den ehemaligen Prinzen Andrew.
Über die genauen Umstände von Andriesz' Tod gibt es bislang nur begrenzte gesicherte Informationen. Das renommierte Finanzmagazin "The Banker", das zur "Financial Times"-Gruppe gehört, berichtet, dass der 57-Jährige durch Suizid gestorben sei.
Eine öffentlich bestätigte offizielle Todesursache liegt bislang allerdings nicht vor. Auch gibt es keinerlei belastbare Hinweise darauf, dass sein Tod mit seinen Enthüllungen über Epstein oder Lutnick in Verbindung steht.
Noch im August hatte Andriesz öffentlich über die persönlichen Folgen seiner Tätigkeit als Whistleblower gesprochen. Diese seien für ihn und seine Familie "verheerend" gewesen.