Die Filmwelt nimmt Abschied von einem ihrer schillerndsten Köpfe! Der italienische Regisseur Tinto Brass starb am Mittwoch im Alter von 93 Jahren in Rom. Das teilten seine Ehefrau Caterina Varzi und seine Kinder Bonifacio und Beatrice mit. Berühmt wurde der Filmemacher vor allem durch seine gewagten Erotikstreifen, die nicht selten für heiße Diskussionen sorgten.
Geboren wurde Brass am 26. März 1933 in Mailand, aufgewachsen ist er in Venedig. Seine Karriere begann allerdings weit weniger freizügig, als man vermuten würde. In den 1960er- und 1970er-Jahren experimentierte er mit verschiedenen Filmgenres und machte sich als Vertreter des italienischen Avantgardekinos einen Namen.
Später ließ er es auf der Leinwand ordentlich krachen! Mit dem Erotikdrama "Salon Kitty" (1976), in dem auch Helmut Berger mitspielte, sorgte Brass für Aufsehen. Der Film erzählt von einem Bordell, das von den Nazis für Spionagezwecke genutzt wurde.
Noch mehr Wirbel verursachte "Caligula" (1979). Der Historienfilm mit Malcolm McDowell, Helen Mirren und Peter O'Toole kombinierte brutale Machtkämpfe mit expliziten Sexszenen. Hinter den Kulissen krachte es ebenfalls gewaltig: Brass zerstritt sich mit Produzent Bob Guccione. Die veröffentlichte Filmfassung entsprach schließlich nicht vollständig seinen Vorstellungen.
In den 1980er-Jahren fand Brass endgültig zu seinem unverwechselbaren Stil: Erotik, Humor und Provokation gehörten für ihn einfach zusammen. Mit "La chiave" (1983), "Miranda" (1985) und "Capriccio" (1987) feierte er große Erfolge – und brachte mit seinen freizügigen Geschichten über Lust, Liebe und Eifersucht so manchen Kritiker auf die Palme.
Auch im neuen Jahrtausend dachte der Regisseur nicht daran, zahmer zu werden. Mit Filmen wie "Trasgredire" (2000), "Senso '45" (2002) und "Fallo!" (2003) blieb er seinem Erfolgsrezept treu. 2005 folgte mit "Monamour" einer seiner letzten großen Spielfilmerfolge.
Mit Tinto Brass verliert die Filmwelt einen Regisseur, der gerne Grenzen überschritt – und sich von Kritikern nur selten bremsen ließ.