Es war einer dieser seltenen Momente, in denen ein Raum innehält, weil eine Legende ihn betritt. Als Valentino Garavani im Jahr 2009 zur Pressekonferenz des Neujahrskonzerts ins Hotel Imperial kam, war plötzlich klar: Hier sitzt nicht nur ein Gast. Hier sitzt der "Kaiser der Mode".
Eigentlich hatte der damalige ORF-General Alexander Wrabetz das Wort ergriffen. Eigentlich ging es um Musik, Programm, Tradition. Doch dann begann Valentino zu sprechen – ungefragt, charmant, mit dieser natürlichen Autorität, die man nicht lernt, sondern lebt. Und der Raum hörte zu.
Der Mann, der Königinnen einkleidete und Hollywood formte, war nach Wien gekommen, um die Kostüme für die Balletteinlagen des Staatsopernballetts zu verantworten – ein Herzensprojekt. Initiiert wurde die Zusammenarbeit Jahre zuvor vom ORF, Valentino selbst musste nicht bezahlt, sondern überzeugt werden. Und überzeugt war er: von Wien, von der Kultur, von der Idee.
"Ich habe immer davon geträumt, einmal für die Oper zu arbeiten", schwärmte er damals. Für den ORF und Wrabetz wurde dieser Traum zur Prestige-Sternstunde.
Bei der Pressekonferenz saß Valentino zwischen musikalischen Größen und wurde doch selbst zur Hauptfigur. Er lobte den Dirigenten Georges Prêtre mehrfach öffentlich, sprach von dessen "Kunst des Dirigierens", während er selbst mit leiser Selbstinszenierung brillierte. Später gab er sich fast bescheiden, sprach von seinem "kleinen Anteil" an diesem "huge concerto". Ein Satz, der wirkte wie Understatement mit königlicher Note.
In Wien bewegte er sich, als wäre die Stadt ein Teil seiner Biografie. Er besuchte Proben im Kunsthistorischen Museum, kündigte an, den Kaiserball in der Hofburg zu besuchen und antwortete auf die Frage, ob er das Konzert live im Musikverein sehen werde, trocken und majestätisch zugleich: "Nein, ich werde im Museum sein. Wir können nicht überall gleichzeitig sein."
Heute, nach seinem Tod im Alter von 93 Jahren, bekommt dieses Wien-Kapitel eine besondere Tiefe. Das Treffen mit Wrabetz, der ORF als kultureller Möglichmacher, der Couturier als stiller Star eines traditionsreichen Events – es war mehr als ein PR-Moment. Es war ein Augenblick, in dem internationale Eleganz und österreichische Hochkultur perfekt ineinandergreifen durften.