Bereits 790 Millionen Alarme

Erdbeben – Wie dich dein Google-Handy schützt

Google nutzt Milliarden Android-Handys als Mini-Seismometer. Auch in Österreich warnt das innovative System die Nutzer vor Erdbeben.
Bernd Watzka
02.02.2026, 12:20
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Das Handy vibriert, ein Alarm schrillt auf und Sekunden später wackelt der Boden. Was nach Science-Fiction klingt, ist für weltweit 2,5 Milliarden Menschen längst realer Katastrophenschutz. Denn Google hat aus Android-Smartphones das weltweit größte Erdbeben-Frühwarnsystem gemacht. Und ja: Auch in Österreich ist es aktiv.

Beschleunigungssensor im Smartphone

Die Idee dahinter ist simpel und genial. In jedem Smartphone steckt ein Beschleunigungssensor. Er dreht den Bildschirm, zählt Schritte und erkennt die ersten kleinen Erschütterungen eines Erdbebens. Millionen Geräte melden diese Signale gleichzeitig. Aus der Masse der Daten errechnet Google dann in Sekunden, wo das Beben stattfindet und wie stark es ist.

Gewarnt wird in zwei Stufen: Bei leichteren Beben mit einem Hinweis, bei starken mit einem lauten Alarm, der den ganzen Bildschirm übernimmt.

Algorithmen schlagen Alarm

Das System heißt "Android Earthquake Alerts". Es nutzt die schnellen P-Wellen, die einem Erdbeben vorausgehen. Sie sind harmlos, aber sie kommen früher an als die zerstörerischen S-Wellen. Erkennt ein Handy diese Bewegung, funkt es sofort an Googles Server. Dort schlagen Algorithmen Alarm.

18.000 Erdbeben in fünf Jahren erkannt

Seit dem Start 2021 hat das System mehr als 18.000 Erdbeben erkannt. Für 2.000 davon wurden Warnungen verschickt. Insgesamt gingen weltweit rund 790 Millionen Alarme auf Smartphones ein. Aktuell ist das System in 98 Ländern aktiv und erkennt im Schnitt mehr als 300 Erdbeben pro Monat.

Doch nicht immer kommt die Warnung rechtzeitig. So hat Google erst im Sommer 2025 eingeräumt, Millionen Menschen während des schweren Erdbebens 2023 in der Türkei nicht rechtzeitig gewarnt zu haben.

Besonders wichtig in Regionen ohne Messstationen

Besonders wichtig ist das Google-Warnnetz in Regionen ohne teure Messstationen. Dort ersetzt das Smartphone quasi den Seismografen. 85 Prozent der gewarnten Nutzer spürten das Beben tatsächlich. Mehr als ein Drittel bekam den Alarm sogar noch vor den ersten Erschütterungen.

Warnsystem ist nicht fehlerlos

Ganz perfekt ist das System allerdings nicht. Bei sehr starken Beben stößt es an Grenzen. Außerdem sind Handy-Sensoren deutlich ungenauer als professionelle Messgeräte wie jene, die von AT-Alert genutzt. 

Fakt ist: Aus einem Alltagsgerät wurde für viele Menschen ein Lebensretter - denn das Smartphone weiß oft schon Bescheid, BEVOR die Erde unter dir gefährlich bebt.

{title && {title} } bw, {title && {title} } Akt. 02.02.2026, 12:23, 02.02.2026, 12:20
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