In Venedigs Lagune wimmelt es von einer ungebetenen Gästin: Die "Meerwalnuss" (Mnemiopsis leidyi) breitet sich rasant aus und bedroht das ökologische Gleichgewicht. Die glibbrige Rippenqualle stammt eigentlich aus dem westlichen Atlantik, wurde aber vermutlich durch Schiffe eingeschleppt. Nun fühlt sie sich im wärmer werdenden Mittelmeer pudelwohl.
Die Meerwalnuss ist extrem anpassungsfähig: Sie überlebt bei Temperaturen zwischen 10 und 32 Grad und verträgt verschiedenste Salzgehalte. Wenn sie keine Fressfeinde hat und genügend Nahrung findet, vermehrt sie sich explosionsartig. Dabei frisst sie alles, was sie kriegen kann - Muscheln, Krebstiere, Fischlarven.
"Die Lagunen sind besonders gefährdet, weil sie starke Schwankungen bei Temperatur und Salzgehalt haben", warnt Meeresforscher Filippo Piccardi von der Uni Padua. Welche Folgen die Invasion langfristig hat, sei noch unklar. Klar ist: In Gebieten mit Massenvermehrung sind die Fangerträge der Fischerei eingebrochen.
Besonders heimtückisch: Die bis zu 12 Zentimeter große Qualle kann im Dunkeln leuchten. Das blaue Glimmen dient der Tarnung, Abschreckung oder um Beute anzulocken. Forscher haben festgestellt, dass die Quallen vorwiegend dann auftauchen, wenn Temperatur und Salzgehalt stimmen - etwa im späten Frühling sowie Spätsommer bis Herbst.
Die Meerwalnuss profitiert stark von der globalen Erwärmung der Ozeane. Steigende Wassertemperaturen und geringerer Sauerstoffgehalt in Gewässern begünstigen ihre Ausbreitung, da sie in sauerstoffarmen Zonen überlebt und Nahrungskonkurrenten verdrängt -diese "Jellyfizierung" bedrohe marine Ökosysteme immer stärker, heißt es.
Italiens Europaabgeordnete Anna Maria Cisint spricht schon von einer neuen "Plage" - schlimmer als der Blaue Krebs, der zuletzt massive Schäden anrichtete. Die EU müsse jetzt handeln und Ausgleichshilfen für die Fischerei schaffen.