Ob am Donaukanal, am Karlsplatz oder an anderen beliebten Treffpunkten: Seit sechs Jahren sind in Wien sogenannte Awareness-Teams unterwegs, um Nachtschwärmern zu helfen, Streit zu schlichten und bei Belästigungen einzugreifen. Doch damit könnte bald Schluss sein.
Wie der "Falter" berichtet, stellt die Stadt Wien die Förderung für das Projekt mit 1. Jänner 2027 ein. Dabei hatte die zuständige Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) die Arbeit der Teams erst wenige Monate zuvor ausdrücklich gelobt.
Am 15. Mai starteten die Awareness-Teams in ihre sechste Sommersaison. In einer Aussendung vom 18. Mai betonte die Stadt Wien die Bedeutung des Projekts, das vom Verein AwA* – Kollektiv für Awareness-Arbeit umgesetzt wird.
"Die Awareness-Teams sind im Sommer zu einem festen Bestandteil des Wiener Nachtlebens geworden. Gerade in einer Großstadt wie Wien zählt es, dass Menschen aufeinander achtgeben. Genau dabei helfen die Teams: Sie hören zu, sie schlichten bei Konflikten und sie sorgen dafür, dass der öffentliche Raum auch nachts ein Ort bleibt, an dem man sich sicher fühlt. Damit leisten die Awareness-Teams wertvolle Arbeit für ein gutes Miteinander in Wien", erklärte Emmerling damals.
Entstanden ist das Projekt während der Corona-Pandemie, als sich viele Jugendliche verstärkt im öffentlichen Raum trafen. Seit 2021 erhielten die Awareness-Teams Förderungen der Stadt Wien. Im Jahr 2025 betrug die Förderung laut "Falter" 246.000 Euro. Auch für 2026 wurde das Projekt mit 246.000 Euro unterstützt.
In der Saison 2026 waren bis zu drei mobile Awareness-Teams an Wochenenden und in Nächten vor Feiertagen im Einsatz. Zwischen 19 und 4 Uhr früh waren die Mitarbeiter dort unterwegs, wo viele Menschen zusammenkommen, feiern oder ihre Freizeit verbringen. Die Saison dauerte vom 15. Mai bis zum 20. September. Die Teams waren telefonisch und über Messenger-Dienste erreichbar und boten direkt vor Ort Unterstützung an.
Zu ihren Aufgaben gehörten Gespräche mit Menschen in belastenden Situationen, Konfliktvermittlung und Deeskalation. Auch bei sexualisierter Gewalt, rassistischen und queerfeindlichen Übergriffen sowie geschlechterbezogener Diskriminierung sollten sie helfen. Daneben kümmerten sich die Mitarbeiter um alltägliche Probleme: Sie halfen bei kleineren Verletzungen, suchten mit Betroffenen nach verlorenen Gegenständen oder ermöglichten das Aufladen von Mobiltelefonen.
Wie stark das Angebot genutzt wurde, zeigt die Bilanz für 2025. Trotz eines verregneten Sommers verzeichneten die Awareness-Teams insgesamt 14.381 Interaktionen. Den größten Anteil machten Kontakte mit jungen Erwachsenen zwischen 20 und 24 Jahren sowie Erwachsenen ab 25 Jahren aus. Danach folgten Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren.
Doch im kommenden Jahr ist damit Schluss. Die Stadt begründet die Entscheidung mit ihrer angespannten Budgetsituation. Die Wiener Grünen können die Entscheidung der Stadtregierung nicht nachvollziehen. "Awareness-Teams haben einen wichtigen Beitrag geleistet, wenn es um die öffentliche Sicherheit geht. Die Streichung der Teams durch die Stadtregierung ist falsch und kurzsichtig", kritisiert Jugendsprecher Theo Löcker gegenüber dem "Falter".
Gerade an besonders konfliktträchtigen Orten könnten neue Probleme entstehen, wenn künftig niemand mehr vermittelnd eingreife, befürchtet Löcker. "Sozialarbeit ist ein wichtiger Teil, wenn es darum geht, für mehr öffentliche Sicherheit zu sorgen."
Die zuständige Bildungsstadträtin verweist hingegen auf die angespannte Finanzlage. Während der Corona-Pandemie hätten die Awareness-Teams wichtige Arbeit geleistet, allerdings seien dabei auch Aufgaben übernommen worden, die nicht ausschließlich Jugendliche betroffen hätten.
"Die angespannte Budgetsituation der Stadt Wien lässt eine Finanzierung der Awareness-Teams ab 2027 nicht mehr zu. Unsere Priorität bleibt die Finanzierung der ganzjährigen Jugendarbeit, in den Parks, in den Jugendzentren und in den Grätzln", erklärt ein Sprecher Emmerlings gegenüber dem "Falter".
Das geplante Förder-Aus betrifft die mobilen Awareness-Teams im öffentlichen Raum. Davon zu unterscheiden sind die Awareness-Vorgaben für größere Veranstaltungen in Wien. Bei bestimmten Veranstaltungen mit mehr als 300 Besuchern müssen die Organisatoren Awareness-Beauftragte bereitstellen. Diese werden von den Veranstaltern selbst organisiert und finanziert.
Ob der Verein AwA* seine mobilen Einsätze nach dem Wegfall der städtischen Förderung fortsetzen kann, ist offen. Gegenüber dem "Falter" wollte sich der Verein dazu vorerst nicht äußern. Man befinde sich noch im Austausch mit der Stadt.