Ein spektakulärer Betrugsfall beschäftigt das Wiener Landesgericht. Drei Männer im Alter von 35, 36 und 44 Jahren sollen Teil eines weit verzweigten Netzwerks gewesen sein, das mit gestohlenen Identitäten Bankkonten eröffnete und teure Smartphones bestellte.
Bezahlt wurden die Geräte laut Ermittlern nicht – stattdessen sollen sie gewinnbringend weiterverkauft worden sein. Den drei Angeklagten werden unter anderem schwerer gewerbsmäßiger Betrug und die Fälschung besonders geschützter Urkunden vorgeworfen. Bisher verweigerten sie die Aussage. Im Fall einer Verurteilung drohen ihnen mehrjährige Haftstrafen, berichtet der ORF.
Das Ausmaß des mutmaßlichen Betrugs ist enorm. Die Gruppierung soll die Identitäten von mehr als 200 Menschen missbraucht haben. Der bisher bekannte Schaden liegt bei rund 750.000 Euro. Nach Angaben des Landeskriminalamts Wien könnte die tatsächliche Summe allerdings noch deutlich höher sein.
Die Ermittler gehen zudem davon aus, dass weitere Hintermänner beteiligt waren. Insgesamt konnten bislang 30 mutmaßliche Täter im Alter zwischen 24 und 50 Jahren identifiziert werden. Viele davon leben in Wien oder im Wiener Umland.
Eine zentrale Rolle soll ein unter dem Pseudonym "Inko1" auftretender Mann gespielt haben. Der in Favoriten lebende Angeklagte soll im Darknet im großen Stil gefälschte österreichische Ausweise angeboten und verkauft haben.
Ein weiterer Angeklagter soll sogar auf der Loggia seiner Wohnung in Floridsdorf eine eigene Fälscherwerkstatt betrieben haben. Der dritte Mann soll als Assistent fungiert, Ausweise vorbereitet und verschickt haben.
Zum Netzwerk gehörten laut Ermittlungen außerdem sogenannte "Recruiter". Sie sollen "Läufer" angeworben und zu Kontoeröffnungen sowie zur Abholung bestellter Handys begleitet haben. Bei den Läufern handelte es sich demnach häufig um Menschen mit massiven Geldproblemen, darunter Personen aus dem Suchtgift- und Obdachlosenmilieu.
Um möglichst wenig Spuren zu hinterlassen, soll die Bande ausgeklügelte Methoden verwendet haben. Bestellte Ware wurde laut Ermittlern etwa an Adressen geliefert, an denen niemand wohnte, oder an Paketshops ohne Videoüberwachung.
Geld soll die Gruppierung nicht nur mit dem Weiterverkauf der Smartphones und gefälschten Dokumente verdient haben. Auch von den unter falschen Identitäten eröffneten Konten sollen Beträge abgehoben worden sein.
Ins Rollen kamen die Ermittlungen im November 2024. Damals meldeten zahlreiche Banken Kontoeröffnungen mit gefälschten Personalausweisen im Scheckkartenformat. Hinweise aus Deutschland brachten das Wiener Landeskriminalamt schließlich auf die Spur von "Inko1". Bei einer Operation gegen das Darknet war aufgefallen, dass unter diesem Namen österreichische Ausweise in großem Stil verkauft wurden.
Der mutmaßliche Drahtzieher soll schließlich selbst einen entscheidenden Fehler gemacht haben: Um die Einnahmen zu verwahren, eröffnete er ein Kryptokonto – und verwendete dafür laut ORF seinen echten Ausweis.
Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung stellten Ermittler gefälschte Ausweise, Bargeld, Mobiltelefone, Computer und ein Auto sicher. Die anschließenden Auswertungen führten zu zahlreichen weiteren Verdächtigen.
Der Prozess gegen die drei mutmaßlichen Haupttäter ist nicht das erste gerichtliche Nachspiel der Ermittlungen. 15 Personen wurden in Zusammenhang mit dem Netzwerk bereits verurteilt. Unter den Beschuldigten befanden sich Männer und Frauen unterschiedlicher Staatsangehörigkeiten.
Nun stehen jene drei Männer vor Gericht, denen die Ermittler zentrale Rollen innerhalb des Netzwerks zuschreiben. Ob der bislang bekannte Schaden von rund 750.000 Euro das gesamte Ausmaß des Betrugs abbildet, ist noch offen.