Passanten gehen einen weiten Bogen. Im Notausgang eines Geschäfts liegen regungslos zwei Personen. Drogensüchtige oder Alkoholkranke, sehr wahrscheinlich beides. Vorbei gehen Schulkinder, Mütter mit Kinderwägen und auch Geschäftsmänner – alle sehen weg.
Die Szene wiederholt sich in der Palmgasse in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus fast täglich. Es ist die erste Quergasse der äußeren Mariahilfer Straße nach dem Gürtel. Direkt daneben ist ein neues Luxushotel und der große Ikea am Westbahnhof.
Einer beobachtet diese Szenen seit Längerem ganz genau. Peter H. ist Anrainer und will nicht wahrhaben, dass sein Grätzl verfällt, zum Drogen-Ghetto wird.
"Ich gestehe, wenn es dunkel wird, wird mir hier richtig mulmig, ich habe Angst", sagt er im Gespräch mit "Heute". Mitte August eskalierte im Bezirk ein Bandenstreit. Ein Mann starb nach einer Messer-Attacke, seitdem meidet H. nach Sonnenuntergang die Straßen.
Der besorgte Wiener hat die Szenen in seiner Gasse fotografisch festgehalten. Spritzen am Boden, blutige Taschentücher, immer wieder bewegungslose Menschen.
"Seitdem unsere Palmgasse zur Fußgängerzone wurde, wird es noch schlimmer", sagt er. Die "Szene" von der Gumpendorferstraße ist hierher ausgewichen.
Peter H. meldet regelmäßig der Polizei und dem Bezirk, was er sieht, "doch leider haben diese Anfragen bisher nichts bewirkt."
"Heute" kontaktierte Dietmar Baurecht, dem Bezirksvorsteher von Rudolfsheim-Fünfhaus (SPÖ). Er gibt zu: "Ja, es gibt mehrere Beschwerden von Anwohnenden", und er kennt das Problem: "Man kontrolliert dort verstärkt, leider geht das nicht 24 Stunden pro Tag."
Für die Bewohner seines Bezirkes will er die Situation verbessern: "Ich fordere mehr Polizei, das ist notwendig. Und ich will Maßnahmen nachschärfen, doch das kann ich erst, wenn die Evaluierung da ist."
Seit Mai gilt hier (auch direkt in der Palmgasse) eine strikte Alkoholverbotszone. Es sollte auch als Schutzzone gegen Drogenkriminalität wirken. Noch gibt es keine validen Informationen dazu. Eine "Evaluierung" durch die Polizei sei in Arbeit, wenn diese da sei, könne man über weitere konkrete Maßnahmen sprechen.
Eine Forderung hat Dietmar Baurecht schon jetzt. Die Einsatzgruppen zur Jugendkriminalität werden bereits mit Polizisten aus anderen Bundesländern aufgestockt. Analog dazu der Wunsch von Bezirksvorsteher Baurecht: "Ich denke, dass soll auch für die Straßenkriminalität geschehen. Dort, wo es Schutzzonen gibt, sollte man mehr Polizisten einsetzen. Ich möchte, dass die Anwohnenden wieder ruhig leben können."