High Noon bei der SPÖ: Erstmals seit 2023 kommen auf Initiative von Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner am Sonntag alle neun Landesparteichefs in Wien zusammen. Hinter den Kulissen hat die rote "Südachse" die hochkarätige Zusammenkunft organisiert.
Maßgeblich eingebunden bei der Suche nach einer einheitlichen Linie war auch Steiermarks Max Lercher. Selbst Burgenlands mächtiger Landeschef Hans Peter Doskozil hat sein Kommen zugesagt.
Am frühen Nachmittag treffen sich die SPÖ-Granden zu einer Vorbereitung unter sich im Rathaus. Auch Bürgermeister Michael Ludwig – er stützte Andreas Babler seit der Kampfabstimmung um den Parteivorsitz maßgeblich – hat nun seine schützende Hand entzogen und grünes Licht für eine Ablöse von seiner Landespartei erhalten.
"Es wird eine Entscheidung über einen Prozess geben", kündigte Ludwig an. Konkret heißt das laut "Heute"-Infos: Die Länderchefs werden Babler bei einem gemeinsamen Termin im Hotel Steigenberger in der Wiener Herrengasse klar machen, dass er seine Posten als SPÖ-Vorsitzender und Regierungsmitglied räumen müsse. Anberaumt sind dafür drei Stunden.
Dass sich Babler noch halten könne, glaubt indes kein Genosse mehr. Hinter den Kulissen sagen zahlreiche Spitzenfunktionäre: "Es ist aus!" Zu viel sei passiert, zu schlecht die Umfragewerte und die Perspektive. Wie berichtet, ist die Partei unter Bablers Führung auf nur noch 15 Prozent in der aktuellen Sonntagsfrage abgestürzt. Bei der Bundeskanzler-Direktwahl stehen nur noch 48 Prozent der SPÖ-Wähler hinter ihm.
Angestoßen von Medienmanager Gerhard Zeiler kommt es nun also zum Showdown in Rot. Zeiler wird zumindest in den mittelbaren Überlegungen der Partei keine große Rolle spielen. Vorbereitet werden soll ein Parteitag Anfang 2027. Diesen Prozess soll ein Interims-Parteichef koordinieren.
Der große Wunsch der überwiegenden Mehrheit der Spitzen-Roten – dass Doris Bures – sich das antut, dürfte sich nicht erfüllen. Die SPÖ-Ikone winkt beharrlich ab. Sie habe sich in den letzten Jahren ein überparteiliches Image erarbeitet, möchte dies dem Vernehmen nach nicht aufs Spiel setzen. Ganz aufgeben wollen viele Rote aber nicht: "Doris ist eine Parteisoldatin im besten Wortsinne, genießt sowohl bei der Bevölkerung als auch in der SPÖ höchstes Vertrauen."
Wer könnte an ihrer statt zum Zug kommen? Samstagabend kristallisierte sich ein Geheimplan heraus, Klubobmann Philip Kucher zu beknien, bis zum Parteitag zu übernehmen. Er habe im Parlament bewiesen, dass er zu allen Lagern Brücken bauen könne, kennt als Kärntner die Situation, in der Daniel Fellner vor der Landtagswahl steckt und hat gute Gesprächskanäle zu Hans Peter Doskozil, den er erst am Freitag in Eisenstadt besucht hat. Dass Oberösterreichs Martin Winkler sich die Aufgabe parallel zum Wahlkampf in seiner Heimat zumuten würde, gilt als de facto ausgeschlossen.
Der große Wunsch in der Partei als Vizekanzler bleibt Finanzminister Markus Marterbauer, mit dem die SPÖ in Umfragen mit bis zu 25 Prozent rechnen könnte. Marterbauer hat aufgrund seiner Krebserkrankung jedoch noch eine Chemotherapie zu absolvieren. Eine Option ist auch Infrastrukturminister Peter Hanke. Er gilt als "Sir" in der Regierung, hat insbesondere auch zu ÖVP und Neos eine gute Gesprächsbasis, da er ideologisch nicht so aufgeladen wie Babler und sein Umfeld ist.
Darüber hinaus trägt man sich in der SPÖ dem Vernehmen nach mit dem Gedanken, ÖVP und Neos in Sparzeiten eine Regierungsverkleinerung vorzuschlagen, um auch einen Image-Boost generieren zu können. Bablers Ressort könnte aufgeteilt, die Medienagenden Eva-Maria Holzleitner (hat als Parteichefin und Vizekanzlerin abgewunken), die Kultur Peter Hanke zuzuschlagen. Für Wohnen hatte es in der Vergangenheit keines eigenen Ministeriums bedurft.
Noch unklar ist, ob die SPÖ die Rochade an der Spitze auch gleich für eine größere Regierungsumbildung nützt. Bablers linke Hand – Michaela Schmidt – wird den Posten als Staatssekretärin räumen müssen. Aber auch mit Justizministerin Anna Sporrer besteht seit längerem große Unzufriedenheit.