"Kampf nicht zu gewinnen"

Es sind Milliarden! Superkolonie übernimmt Deutschland

Sie beschädigte Wege und sogar Internetausfälle: Eine invasive Ameisen-Armee aus Milliarden Individuen bringt deutsche Gemeinden in Bedrängnis.
Newsdesk Heute
28.09.2026, 18:32
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Die invasive Ameisenart Tapinoma magnum sorgt im Südwesten Deutschlands für immer größere Probleme. Die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende Große Drüsenameise bildet riesige Kolonien und kann dabei nicht nur Gärten und Häuser erobern, sondern auch Infrastruktur beschädigen.

Wie "Focus Online" berichtet, sind in Baden-Württemberg inzwischen fast 90 Kommunen betroffen. Besonders dramatisch ist die Situation im Karlsruher Stadtteil Neureut. Dort erstreckt sich Deutschlands wohl größte bekannte Tapinoma-Kolonie mittlerweile über rund 100 Hektar.

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Milliarden Ameisen in einer Superkolonie

Experten gehen davon aus, dass in dem Gebiet Milliarden Tiere leben könnten. Der Großteil hält sich unterirdisch auf, doch auch an der Oberfläche treten die Ameisen massenhaft auf.

Für Anwohner kann das zum Dauerproblem werden. Die Tiere dringen in Häuser ein, krabbeln über Terrassen und Grundstücke und lassen sich mit gewöhnlichen Ameisenködern oft kaum noch eindämmen.

Karen Eßrich, die sich in Karlsruhe mit der Bekämpfung beschäftigt, beschreibt die Lage drastisch: "Das ist dann das Unangenehme, dass man sich vor den Ameisen nicht retten kann."

Eine vollständige Ausrottung gilt in stark befallenen Gebieten inzwischen als kaum realistisch. Stattdessen versuchen die Behörden, die weitere Ausbreitung der Superkolonien zu verhindern.

Ameisen beschädigen Wege und Technik

Die Tiere sind nicht nur lästig. Ihre weit verzweigten Nester können gepflasterte Flächen und Mauern unterhöhlen. Bordsteine können absinken, Fugen werden instabil.

Auch technische Anlagen bleiben nicht verschont. In Kehl drangen die Ameisen bereits in Verteilerkästen ein. In der Folge kam es unter anderem zu Problemen mit Internetverbindungen. Auch Spielplätze waren zeitweise betroffen.

Das deutsche Umweltbundesamt bestätigt, dass die ursprünglich im Mittelmeerraum heimische Art vor allem über Warenlieferungen eingeschleppt wird. Als wichtiger Verbreitungsweg gelten mediterrane Pflanzen wie Olivenbäume, Feigenbäume oder Palmen.

Kampf mit 110 Grad heißem Wasser

In Karlsruhe setzt die Stadt unter anderem auf heißes Wasser. Mitarbeiter behandeln befallene Flächen mit Temperaturen von rund 110 Grad. Die Methode soll Ameisen, Brut und möglichst auch Königinnen in den Nestern erreichen.

Doch der Aufwand ist enorm. Allein für ein entsprechendes Fahrzeug zahlte Karlsruhe laut Bericht rund 120.000 Euro. Hinzu kommen Personal sowie Reparaturen an beschädigten Straßen und Gehwegen.

Andere Kommunen greifen ebenfalls tief in die Tasche. In Kehl werden für die Bekämpfung jährlich rund 50.000 Euro veranschlagt. Das dort verwendete Heißwassergerät kostete zusätzlich rund 60.000 Euro.

Klimawandel hilft den Ameisen

Die Ameisen wurden vermutlich über den internationalen Pflanzenhandel nach Deutschland eingeschleppt. Der erste Nachweis stammt aus dem Jahr 2009.

Warme Flächen und milde Winter kommen Tapinoma magnum entgegen. Nach Einschätzung des Umweltbundesamts könnte der Klimawandel deshalb dazu beitragen, dass sich die Art in Deutschland künftig weiter ausbreitet.

Wie hart der Kampf bereits ist, zeigt die Einschätzung aus Karlsruhe. Eßrich sagt über die vollständige Bekämpfung der Tiere: "Der Kampf ist nicht mehr zu gewinnen."

red,Akt. 28.09.2026, 18:45, 28.09.2026, 18:32
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