Es ist der Moment, der den Wirecard-Skandal endgültig zum Krimi machte: Am 19. Juni 2020 hebt in Bad Vöslau ein Privatflug ab – an Bord soll sich der spätere Millionen-Flüchtige Jan Marsalek befinden. Ziel: Belarus. Danach verliert sich seine Spur. Genau dieser Flug bringt jetzt einen früheren FPÖ-Politiker vor Gericht – berichtet der ORF.
Am 24. April muss sich Ex-Nationalratsabgeordneter Thomas Schellenbacher am Landesgericht Wiener Neustadt verantworten. Laut Anklage soll er gemeinsam mit dem früheren Verfassungsschützer Martin Weiss die Flucht organisiert haben. Der Vorwurf: Begünstigung.
Der Hintergrund: Wirecard war einst ein gefeierter Finanzkonzern – bis 2020 aufflog, dass Milliarden Euro in den Bilanzen fehlten. Das Unternehmen kollabierte, Ex-Chef Markus Braun wurde festgenommen. Marsalek hingegen setzte sich ab und ist bis heute verschwunden.
Seither gilt er als Schlüsselfigur des Skandals. Ermittler vermuten, dass er sich in Russland aufhält und Kontakte zum Geheimdienst hat – was den Fall zusätzlich politisch brisant macht.
Für die Ermittler steht fest: Die Ausreise über Österreich war kein spontaner Akt. Der Flug nach Belarus soll gezielt organisiert worden sein – mit Hilfe aus Österreich. Neben Schellenbacher steht dabei auch der Name Martin Weiss im Raum. Der frühere Verfassungsschützer ist ebenfalls untergetaucht und für die Behörden derzeit nicht greifbar.
Doch der Fall endet nicht bei der Flucht. Marsalek taucht auch in einem großen Spionage-Prozess in Wien auf. Dort geht es um geheime Daten aus Polizeisystemen und Ministerien, die weitergegeben worden sein sollen.
Die Ermittler vermuten, dass diese Informationen letztlich bei Marsalek und in weiterer Folge bei russischen Stellen landeten. Damit wächst der Fall zu einem Netzwerk aus Politik, Behörden und Geheimdiensten.