Acht Jahre SPÖ-Chef, zwei Jahre lang Bundeskanzler – Alfred Gusenbauer (SPÖ) hat die jüngere Geschichte zweifelsohne geprägt. Nach dem Polit-Aus 2009 wurde es ruhiger um den Niederösterreicher, beruflich trat er als Lobbyist und Berater in Erscheinung. Genau diese Rolle brachte ihn jetzt vor Gericht.
Denn zu seinen Kunden zählte jahrelang die SIGNA-Immobiliengruppe. Es geht um fünf Millionen Euro, die der frühere Politiker und seine Beratungsfirma in den Jahren 2022 und 2023 von der SIGNA Holding kassiert haben soll.
Am Wiener Handelsgericht präsentierte sich Gusenbauer völlig anders, als man ihn aus seiner Zeit in der Regierung in Erinnerung hatte: deutlich verschlankt, dicke Hornbrille, etwas längere Haare und Dreitagebart. Die Socken, seiner politischen Heimat entsprechend, in Knallrot gehalten.
Vor Gericht betonte Gusenbauer laut ORF, dass er jedes Jahr Boni bekommen habe. Das zeige aus seiner Sicht und wohl auch aus Sicht der Firma, dass er gute Arbeit geleistet habe. Außerdem habe er mit möglichen Investoren und auch mit Bürgermeistern gesprochen. Als konkreten Erfolg nannte Gusenbauer eine Investition der Schoeller Gruppe über 200 Millionen Euro, die er Anfang 2023 eingefädelt habe.
Die Vertreter des Masseverwalters zweifeln allerdings an, dass Gusenbauer tatsächlich so viel dazu beigetragen hat. Sie betonen, dass es kaum Belege für die von ihm vorgebrachten Tätigkeiten gibt. Außerdem seien viele Erfolge gar nicht in den Zeitraum gefallen, um den es in der Klage geht.
Gusenbauer bekam als Beirat jährlich zwischen 280.000 und 300.000 Euro plus Bonus, der anfangs gleich hoch und später sogar höher war. 2023, im Jahr der Pleite von SIGNA, stieg das Fixum auf 500.000 Euro, der Bonus blieb gleich. Am Beginn des Verfahrens zeigte sich Gusenbauers Rechtsvertretung grundsätzlich offen für einen Vergleich. Allerdings laufen derzeit noch "strukturierte Gespräche" mit der SIGNA Prime über Forderungen an Gusenbauer.