Nach dem Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann rückt nun auch der Stiftungsrat stärker in den Fokus. Konkret geht es um mögliche Kontakte zwischen dem heutigen Vorsitzenden Heinz Lederer und dem Anwalt von Signa-Gründer René Benko.
Lederer taucht laut Unterlagen in Honorarnoten des Benko-Anwalts Stefan Prochaska auf. Die dokumentierten Kontakte fallen in eine Zeit, in der die Signa-Gruppe wegen möglicher kritischer ORF-Berichterstattung besonders aufmerksam auf Medienberichte reagierte.
Der politisch besetzte ORF-Stiftungsrat steht seither verstärkt in der Kritik. Intern wie extern wird diskutiert, welche Rolle das Kontrollgremium im "Fall Weißmann" gespielt hat und ob es seiner Aufsichtsfunktion ausreichend nachgekommen ist.
Auch der Umgang mit der Affäre sorgt für Diskussionen. Eine erste vertiefte Aufarbeitung fand zunächst nur innerhalb der eigenen ORF-Medien statt. Eine ursprünglich angekündigte Pressekonferenz für andere Medien wurde zuerst verschoben, danach abgesagt und schließlich vertagt.
Eine schwierige Phase erlebte auch die Signa-Gruppe bereits ab 2022. Besonders ab Mitte Oktober jenes Jahres, als Ermittler im Zusammenhang mit der Causa "Thomas Schmid" Büros der Signa Holding durchsuchten. In dieser Zeit war Prochaska stark eingebunden – und holte sich laut Unterlagen im Hintergrund offenbar auch externe Kommunikationsberatung.
In einer Leistungsabrechnung der Kanzlei Prochaska an die Signa Holding, die der "Krone" vorliegt, wird festgehalten, dass der Anwalt am 4. November 2022 mehrfach mit Lederer kommunizierte. Am selben Tag verrechnete Prochaska auch Telefonate mit einer "Zeit im Bild"-Redakteurin "wegen geplantem unrichtigen Bericht in ORF ZIB 2" sowie ein Gespräch mit dem damaligen TV-Chefredakteur. Laut Abrechnung folgte danach erneut ein Austausch mit Lederer.
Der heutige Stiftungsratsvorsitzende weist jedoch eine direkte Rolle für Signa zurück. Er betont, keinen Auftrag des Unternehmens gehabt zu haben und René Benko nicht persönlich zu kennen. "Es gibt viele Anwälte, die mich beiziehen und ein strategisches Kommunikationskonzept oder ein Mediencoaching haben möchten. Oder Wordings für Gespräche und Stellungnahmen."
Es könne durchaus vorkommen, dass er beruflich mit Journalisten spreche. Im Zusammenhang mit Signa oder Benko habe er das jedoch nicht getan. "Die Abrechnungen des Herrn Prochaska bei Signa kenne ich nicht."
Auch später taucht Lederers Name in Abrechnungen der Kanzlei auf. So wird etwa am 17. Mai 2023 ein "Telefonat mit Herrn Lederer wegen ORF und Report-Bericht" verrechnet, am 26. Mai eine "Konferenz mit Herrn Lederer". Zu dieser Zeit stand die Signa-Gruppe bereits unter starkem Druck, unter anderem wegen Problemen mit der Bankenaufsicht. Am 1. Juni wurde zudem überraschend der Möbelhändler kika/Leiner verkauft.
Allein für Mai 2023 stellte die Kanzlei Prochaska der Signa Holding laut Unterlagen insgesamt 127.272 Euro in Rechnung, davon 67.350 Euro an Barauslagen.
Im Juni folgten weitere Kontakte. Laut Abrechnung gab es mehrere Telefonate zwischen Prochaska und Lederer. Am 22. Juni kommunizierte Lederer zudem mit dem damaligen Signa-Holding-Geschäftsführer Christoph Stadluber.
Der ORF-Stiftungsratsvorsitzende spricht von "einmaliges persönliches Treffen". Grundsätzlich verweist er darauf, dass mehrere PR-Berater im Stiftungsrat sitzen. Er wolle sich deshalb "kein Berufsverbot reindividieren" lassen. "Wir können ja nicht nur Nonnen und Mönche in den Stiftungsrat schicken."