Um 9.15 Uhr die große Überraschung, nachdem alles auf Schmid gewartet hatte: Unter Begleitschutz eines Polizisten, ging der Zeuge – er hatte sich schon länger im Gebäude befunden – auf die Toilette. So schnell er aufgetaucht, so schnell verschwand er wieder. Statement gab es keines. Am Vormittag wird es ernst, dann beginnt Schmids mit Spannung erwartete Aussage.
Thomas Schmid. Nach der Anzeige jener Bewerberin, die den Posten schließlich nicht bekommen hat, brachten seine Chats die Causa so richtig ins Rollen. In Linz soll Schmid vor Gericht schildern, wie es zur umstrittenen Postenvergabe am Finanzamt Braunau gekommen ist.
Zur Erinnerung – die Anklage sieht die Geschichte so: Der Bürgermeister soll 2016 mit seinen Bewerbungsunterlagen zu Wöginger in eine Sprechstunde gekommen sein. Der war damals übrigens noch nicht Klubchef, sondern nur Abgeordneter. "Er informierte mich, dass er sich bewerben will, und bat um Unterstützung", erklärte Wöginger in seiner Aussage vor Gericht.
Der Bürgermeister habe eine Kopie seiner Bewerbungsunterlagen dagelassen. Der VP-Klubobmann habe sich daraufhin gedacht, es sei naheliegend, die Sache an das Finanzministerium weiterzuleiten. Deshalb habe er die Dokumente an Thomas Schmid, damals Generalsekretär im Finanzministerium, übergeben: "Sinngemäß habe ich ihm gesagt: 'Schaut euch das bitte mal an, ich halte ihn für einen geeigneten Kandidaten'", sagte Wöginger.
Schmid soll dann laut Anklage wiederum die Mitglieder der Kommission dazu gebracht haben, den Bürgermeister besser zu beurteilen. Der VP-Klubchef beharrte bei seiner Aussage darauf, es sei "zu keinem Zeitpunkt meine Intention, ein unsachliches Ergebnis herbeizuführen".
Besonders pikant sind dabei allerdings Chats vom 13. Februar 2017, nachdem der Bürgermeister aus dem Hearing als Top-Kandidat hervorgegangen war. Schmid soll Wöginger mit den Worten: "Wir haben es geschafft :-)). Der Bürgermeister schuldet dir was!" über den Ausgang informiert haben.
Wöginger schrieb darauf: "Echt super!! Bin total happy", habe laut eigener Aussage aber erst gar nicht gewusst, was Schmid eigentlich meint. In seiner Wortwahl habe er sich dem damaligen Generalsekretär einfach angepasst. Der Verhandlungstag am Montag ist komplett für Thomas Schmid reserviert, ein Urteil soll es am 21. April geben. Für alle Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.