Die EU-Kommission macht beim Schutz von Kindern im Netz ernst. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat in Brüssel eine neue europäische App zur Altersverifikation angekündigt. Die Technik sei fertig, schon bald soll die Anwendung für Bürger verfügbar sein.
Der Plan: Wer auf gewisse Online-Plattformen zugreifen will, soll sein Alter nachweisen können – ähnlich wie beim Kauf von Alkohol im Geschäft. Laut von der Leyen soll das mit der neuen EU-App rasch, anonym und ohne Preisgabe unnötiger persönlicher Daten möglich sein.
Die Kommission warnt seit Monaten vor den Folgen eines ungebremsten digitalen Konsums. Online-Mobbing, süchtig machende Funktionen wie endloses Scrollen, kurze Videos und stark personalisierte Inhalte würden junge Nutzer besonders belasten. Dazu komme die Gefahr durch schädliche oder illegale Inhalte sowie durch Kontaktversuche von Online-Tätern.
Von der Leyen betonte, Eltern bräuchten endlich ein brauchbares Werkzeug, um ihre Kinder besser zu schützen. Die Verantwortung liege beim Aufziehen der Kinder nicht bei den Plattformen. "Es ist unsere Pflicht, unsere Kinder auch online zu schützen." Europas Kinderrechte stünden "vor kommerziellen Interessen". Und: Man habe man Toleranz für Unternehmen, "die die Rechte unserer Kinder nicht respektieren".
Nach Angaben der Kommission funktioniert die App auf Handy, Tablet und Computer. Nutzer sollen sie herunterladen und mit Reisepass oder Personalausweis einrichten können. Danach kann nur das Alter bestätigt werden – ohne dass weitere Daten offengelegt werden. Die Anwendung soll zudem quelloffen sein, damit der Code überprüft werden kann.
Als Vorbild dient der EU die Corona-Zertifikat-App. Laut von der Leyen sei dieses System während der Pandemie in nur drei Monaten aufgebaut worden und später in 78 Ländern auf vier Kontinenten zum Einsatz gekommen. Auf diesem Modell basiert auch die Alters-App.
Mehrere Staaten wollen laut Brüssel vorangehen. Frankreich, Dänemark, Griechenland, Italien, Spanien, Zypern und Irland planen demnach, die Lösung in ihre nationalen digitalen Geldbörsen einzubauen. Zudem hoffe man, so von der Leyen, "dass weitere Mitgliedsstaaten und der Privatsektor folgen werden, damit bald jeder Bürger die App nutzen kann".