Die Staatsanwaltschaft Wien hat Anklage gegen einen früheren Lokführer eingebracht. Dem Mann werden sexuelle Übergriffe und sexuelle Handlungen an insgesamt neun Betroffenen vorgeworfen. Die jüngsten Opfer waren zum jeweiligen Tatzeitpunkt erst 13 Jahre alt.
Laut Anklage erstreckt sich der Tatzeitraum über zwölf Jahre. Die vorgeworfenen Taten sollen sich zwischen 2009 und 2021 ereignet haben, es gilt die Unschuldsvermutung.
In zwei Fällen wird dem Mann schwerer sexueller Missbrauch von Unmündigen vorgeworfen, in einem weiteren Fall sexueller Missbrauch von Unmündigen. Die übrigen Fälle wurden von der zuständigen Staatsanwältin als Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung beziehungsweise sexuelle Belästigung eingestuft.
Die Anklage wurde in der Vorwoche beim Wiener Landesgericht für Strafsachen eingebracht. Rechtskräftig ist sie noch nicht, berichtet der ORF. Die Verteidigung kann binnen 14 Tagen ab Zustellung Einspruch erheben.
Ein Großteil der späteren Opfer soll den Mann über dessen ehrenamtliche Tätigkeit im Eisenbahnmuseum Strasshof an der Nordbahn im Bezirk Gänserndorf kennengelernt haben.
Ansprechstellen für Betroffene
Telefonseelsorge Österreich: 142
Kriseninterventionszentrum Wien: 01/40 69 595
Rat auf Draht: 147
Weisser Ring - Verbrechensopferhilfe: 0800 / 112 112
Die Buben waren großteils begeisterte Eisenbahn-Fans. Bei ihren Besuchen im Museum kam der Mann laut Anklage mit ihnen ins Gespräch. Er dürfte sich dabei ihr Vertrauen erschlichen haben. Später soll es zu Übergriffen und in einigen Fällen zu sexuellen Handlungen gekommen sein.
Die Ermittlungen begannen, nachdem sich im Frühjahr 2025 ein mittlerweile erwachsener Betroffener an die Polizei gewandt hatte. Er schilderte Vorfälle, die ihm als Jugendlichem widerfahren sein sollen.
Der Triebfahrzeugführer wurde daraufhin von den ÖBB vom Dienst freigestellt beziehungsweise suspendiert. Ein Entlassungsverfahren soll dem Vernehmen nach am Arbeitsgericht anhängig sein.
"Heute" berichtete mehrmals über die schweren Vorwürfe. Im Oktober 2025 berichtete ein Insider: "Hier in Strasshof ist er historische Dampfloks als Lokführer gefahren." Der Mann habe im Verein als Respektsperson gegolten und andere eingeschult.
Nach Bekanntwerden der Vorwürfe zeigte sich der Museumsbetreiber "zutiefst erschüttert". Damals hieß es über den langjährigen Mitarbeiter: "Er galt hier immer als sehr engagiert. Der Museumsbetrieb und das gemeinschaftliche Wirken standen für ihn stets im Vordergrund."
Der Verein erklärte damals: "Leider müssen wir mitteilen, dass es durch diesen Mitarbeiter auch in den Räumlichkeiten unseres Museums zu Fällen sexuellen Missbrauchs gekommen ist."
Als Sofortmaßnahme wurde eine Ombudsstelle eingerichtet. Zudem kooperiert der Museumsbetreiber bei der Aufarbeitung mit den Strafverfolgungsbehörden.