"Zuerst einmal Fremdkörper"

Ex-ÖFB-Star: "Auf meiner Trinkflasche stand Piefke"

Martin Harnik bestritt 68 Spiele für Österreichs Nationalteam. Nun plauderte der 38-Jährige über seine ersten Einberufungen in die ÖFB-Nachwuchsteams.
Sport Heute
16.03.2026, 07:55
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2007 debütierte Martin Harnik für Österreichs Fußball-Nationalmannschaft. Er brachte es auf 68 Spiele im rot-weiß-roten Dress und 15 Tore. Er bestritt zwei Fußball-Europameisterschaften, ehe er im Herbst 2017 seine Teamkarriere beendete.

Im Podcast "Flatterball" mit seinem Kumpel Max Kruse, selbst deutscher Teamspieler, erzählte der in Hamburg geborene Sohn einer Deutschen und eines Österreichers, wie er zum ÖFB kam. Und dass es in den ersten Nachwuchs-Lehrgängen nicht allzu angenehm für den nun 38-Jährigen war.

"Gerade ich, als Piefke – ich spreche sehr feines Hochdeutsch, wenig österreichischen Dialekt. Das war zuerst einmal ein Fremdkörper", erzählte der pfeilschnelle Offensivspieler nun.

Harnik spielte beim unterklassigen Verein Vier- und Marschlande in Hamburg, wurde von einer Delegation der Wiener Austria, die bei einem Hallenturnier in Deutschland eingeladen war, entdeckt. "Die haben mich empfohlen, haben gesagt: ,Da gibt es ein Talent in Hamburg, der hat den österreichischen Pass. Den solltet ihr euch anschauen'", erzählte Harnik.

"Auf meiner Trinkflasche stand Piefke"

Er machte dann ein Probetraining beim GAK, der damalige Nachwuchs-Trainer Paul Gludovatz hatte da zugeschaut. "Ich fand mich beim Probetraining nicht so gut, aber es hat gereicht", schmunzelte Harnik in seinem Podcast.

Der gebürtige Deutsche kam so in Österreichs Nachwuchs-Nationalteam, zuerst in die U18. Aufgrund seines ungewöhnlichen Vereins im deutschen Unterhaus sei er "direkt schon einmal auf dem Radar" der anderen Nachwuchs-Teamspieler gewesen, erzählte Harnik lachend. Er habe sich vorgestellt, seine deutsche Herkunft sei schwer zu überhören gewesen. "Was macht der Piefke hier?", hätten sich einige dann gefragt.

"Ich war da echt nicht beliebt, wurde gemieden und habe mich nicht so sehr willkommen gefühlt", erzählte der Ex-Profi. "Ich hatte eine Zeit lang meine eigene Trinkflasche, auf der stand ,Piefke' drauf, weil keiner aus meiner Flasche trinken wollte", so Harnik.

Letztendlich habe er dann "mit Leistung, Charme und Humor" überzeugt, so der nun 38-Jährige. "Ich bin dann immer mehr reingewachsen", erzählte der Ex-Teamspieler.

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Angebot aus Deutschland abgelehnt

Harnik überzeugte aber sportlich, schaffte auch den Sprung in den Kader für die U20-Weltmeisterschaft 2007 in Kanada. Österreich wurde da starker Vierter – das ermöglichte auch Harnik den endgültigen Durchbruch. "Das war eine geile Zeit, wir waren ein geiles Team, haben uns super verstanden, waren auch mal zusammen unterwegs", erinnerte sich Harnik.

Letztendlich wurde auch der damalige ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger auf den gebürtigen Deutschen aufmerksam. "Er hat zu mir gesagt: ,Hör zu, Junge. Ich kann dich nicht einladen, wenn du nur bei den Werder Bremen Amateuren spielst. Aber solltest du dein Profi-Debüt geben, lade ich dich sofort ein'", erzählte Harnik. Und so kam es dann auch. "Es war dann ein wichtiger Baustein meiner Karriere", so der 38-Jährige. Zuvor hätte er die Chance gehabt, in die deutsche U21 zu wechseln, Harnik habe darüber nachgedacht, lehnte letztendlich aber ab.

Parallelen zu Wanner

Harnik nahm danach noch Bezug auf Paul Wanner, ebenso deutsch-österreichischer Doppelstaatsbürger, der sich nun für Österreich entschied und wohl dem März-Kader von ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick angehören wird. "Ich behaupte, er ist mehr deutsch als österreichisch, hat lange mit sich gerungen und Jugend-Nationalmannschaften beim DFB durchgespielt. Er hat sich für den ÖFB entschieden. Viele sagen, er hat sich dafür entschieden, weil er es in Deutschland zu schwer hat. Ich will da gar nicht werten. Neben der emotionalen Komponente ist auch die sportliche Perspektive nicht wegzudiskutieren", erinnerte sich Harnik selbst an seine Entscheidung für den ÖFB und gegen Deutschlands U21.

"Natürlich beeinflusst es einen Jungen, wenn da Ralf Rangnick anruft und sagt: ,Wenn du dich für uns entscheidest, dann nehme ich dich mit, dann spielst du eine Weltmeisterschaft'. Es ist nicht nur ausschlaggebend, aber es ist ein Grund", so Harnik. "Ich freue mich darauf, dass er es gemacht hat, ich hoffe, dass er bei der WM dabei ist, eine gute Rolle spielen kann", so Harnik.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 16.03.2026, 07:58, 16.03.2026, 07:55
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