Die Nonnen von Goldenstein wurden im Vorjahr weltweit bekannt. Schwester Rita, Schwester Bernadette und Schwester Regina sind gegen den Willen ihres Ordens aus einem Seniorenheim zurück in ihr früheres Kloster gezogen. Die Welt nahm Anteil, viele schlossen die drei Schwestern ins Herz, auf Instagram folgten ihnen 280.000 Menschen.
Ob die Schwestern Rita, Bernadette und Regina im Kloster bleiben dürfen, ist weiter offen – am Ende entscheidet der Vatikan. Sie setzen auf ein persönliches Gespräch mit dem Papst, in zwei Wochen reisen sie nach Rom.
Jetzt sorgt eine ehemalige Schülerin für Aufsehen. Alexandra P. (Name der Redaktion bekannt) meldete sich bei "Heute" und erhebt Vorwürfe gegen zwei der Nonnen. "Aufgrund der jetzigen Medienberichte über die drei Schwestern sind meine alten Erlebnisse wieder hochgekommen", sagt sie.
Die Frau besuchte im Schuljahr 1989/1990 das Internat der Schwestern in Salzburg. Nach nur einem Jahr nahmen ihre Eltern sie wieder aus der Schule. "Mein Leben wurde durch diese Erfahrungen nachhaltig geprägt und belastet", sagt P.
Die jetzt 47-Jährige schildert massive Übergriffe: "Ich wurde geschlagen, gedemütigt und entwertet. Strafen wie Schläge auf die Finger sowie stundenlanges Knien vor der Klasse gehörten zu meinem Alltag." Es gilt die Unschuldsvermutung, die Vorfälle sind jedenfalls verjährt.
Ein Erlebnis sei Elisabeth P. besonders im Gedächtnis geblieben: "Ich wurde mit einer schweren Bibel am Kopf geschlagen, mit den Worten: 'Du brauchst Erleuchtung'."
Ein weiterer Vorfall habe sich tief eingebrannt. P. wurde laut ihren Erzählungen in einen düsteren Raum geführt: "Ich musste mich auf einen Stuhl in der Mitte setzen", beschreibt sie. Im Hintergrund seien Gebete rezitiert worden, ein Mann "versprengte heiße Flüssigkeit" auf sie, die nach Weihrauch roch. "Es war angsteinflößend und entwürdigend." Ihre Haut fühlte sich taub an, meint P.
Das Umfeld der Schwestern weist alle vorgebrachten Vorwürfe zurück. Eine Sprecherin, selbst frühere Schülerin, sagt zu "Heute": "Es war zwar streng, wir haben Disziplin gelernt – aber Schläge gab es nie." Bei einem Treffen mit rund 50 ehemaligen Schülerinnen habe sich niemand an derartige Strafen erinnern können. "Teller abtrocknen oder die Stiege kehren, das waren unsere Strafen."
Dennoch, P. meint, sie spüre die Folgen bis heute: "Angst, Scham, Panikattacken, Schlafstörungen." Und weiter: "Ich kann nicht mehr arbeiten", sagt sie. P. lebt jetzt in Kärnten, wurde Krankenpflegerin, sie und ihr Mann haben drei Kinder.
Die Ex-Schülerin hat laut ihren Angaben ihre Vorwürfe bei der Ombudsstelle für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche eingebracht. Diese Institution ist 2010 in der Erzdiözese Salzburg eingerichtet worden. Wichtig: Es ist eine unabhängige Stelle für Betroffene von Missbrauch oder Gewalt im kirchlichen Kontext eingerichtet, die nicht weisungsgebunden ist und keinem kirchlichen Vorgesetzten untersteht.
Von dort heißt es gegenüber "Heute": "Wenn Betroffene dies wünschen, wird ihre Meldung zur Bearbeitung durch die zuständigen kirchlichen Stellen weitergeleitet. Als Kirche ist uns dieses bleibende Angebot einer kostenlosen und professionellen Beratung und Betreuung ein zentrales Anliegen im Kampf gegen jede Form von Missbrauch." Aus Gründen des Datenschutzes gibt es keine Auskunft zum konkreten Fall.
Es wird jedenfalls garantiert: Jedem Fall wird ernsthaft nachgegangen, auch externe Experten werden beigezogen.