Antonelli fährt in der aktuellen Formel-1-Saison beinahe in einer eigenen Liga. Der italienische Mercedes-Star holte am vergangenen Sonntag auf dem neuen Madring seinen bereits achten Saisonsieg – auch wenn es dafür die Mithilfe des Virtuellen Safety Cars brauchte, der amtierende Champion Lando Norris durch die Finger schaute.
Trotzdem brachte der Sieg den gerade erst 20 Jahre alten Italiener dem WM-Titel in seiner erst zweiten Formel-1-Saison um ein großes Stück näher. Antonelli konnte den Vorsprung auf seinen Teamkollegen George Russell bereits auf 81 Punkte ausbauen – das sind mehr als drei Rennsiege. Lewis Hamilton im Ferrari hat schon 101 Punkte Rückstand, Norris gar 106. In der Formel 1 stehen, je nach weltpolitischer Lage, noch acht oder neun Grands Prix auf dem Programm.
Besonders schmerzen dürfte die aktuelle Situation Antonellis Teamkollegen Russell. Der routinierte Fahrer war eigentlich als Topfavorit auf den WM-Titel in die neue Saison gegangen, hatte auch den Auftakt-Grand-Prix für sich entschieden. Danach fuhr der junge Konkurrent aber auf und davon.
"Ich denke, Russell ist zerbrochen an Antonelli. Damit hat er einfach nicht gerechnet", analysierte der ehemalige Formel-1-Pilot Marc Surer bei "Formel1.de". "Er hatte Lewis Hamilton locker im Griff. Da kann man sich schon einbilden: Wenn ich das richtige Auto habe – wer soll mich sonst schlagen?", zeichnete der Schweizer die Gedankengänge Russells nach.
Nun habe der Brite aber "den Schock erlitten, dass dieser junge Kerl ihm um die Ohren fährt. Das ist hart und das geht nicht spurlos vorbei", meinte Surer weiter. Nun würde der 28-Jährige "übers Limit" gehen, Russell würde "zu viel pushen. Das macht diese Autos nicht schneller", meinte der Experte weiter, "Das ist verbissen, bringt keinen Speed, sondern eher Fehler", so Surer.
Bleibt die Frage, wer Antonelli denn tatsächlich noch gefährlich werden könnte. Da hat Surer eine eindeutige Meinung: "Lando Norris, weil die Steigerung, die er und McLaren hingelegt haben, ist beeindruckend." Aber Surer stellte auch klar: "Für die WM reicht das trotzdem nicht. Da müsste Antonelli schon verletzt ausfallen und nicht fahren können. Wenn er fährt, muss er gar nicht mehr gewinnen", so Surer.