Es sind dramatische Szenen auf dem Shanghai International Circuit. Nach einem Zwischenfall im Rennen der China GT fängt der Ferrari von Ollie Millroy Feuer, innerhalb kürzester Zeit steht der Wagen in Flammen.
Loek Hartog ist als nächstes bei der Unfallstelle, hält seinen Wagen an und rettet seinem Konkurrenten geistesgegenwärtig das Leben. "Ich wusste direkt, es ist ein gravierender Unfall und dass der Fahrer ohne Hilfe kaum aus dem Auto kommen wird", erzählte Hartog eine Woche später gegenüber "Blick".
59 Sekunden vergingen zwischen seinem Anhalten und dem Moment, in dem Millroy aus dem brennenden Wagen gezogen wird – 59 Sekunden die über Leben und Tod entschieden.
"Es war kein Gedanke, es war einfach ein Instinkt. Ich wusste, ich muss ihn irgendwie aus dem brennenden Auto befreien", schilderte der Rennfahrer seine Gedanken.
Millroy überstand den Horror-Crash mit fünf gebrochenen Rippen, einem Schlüsselbeinbruch, einer Lungenprellung sowie Verletzungen an Hand und Fingern. Der 36-Jährige ist überzeugt, dass Hartogs Eingreifen Schlimmeres verhindert hat: "Wenn Loek nicht gewesen wäre, wäre ich wahrscheinlich nicht mehr am Leben."
Hartog wird für seinen Einsatz seither weltweit gefeiert. Mit der Bezeichnung als Held kann der Niederländer allerdings wenig anfangen. "Das ist schön zu hören, jedoch gilt der Dank eigentlich all den Leuten, die dafür sorgen, dass die Autos so gebaut sind."
Auch persönlich habe die Rettungsaktion nichts an ihm verändert. "Ich bin derselbe Loek Hartog, der ich auch letzte Woche vor dem Unfall war. Ich hätte es genauso gemacht, wenn es auf der normalen Straße passiert wäre."
Die Aufmerksamkeit rund um seine Rettungsaktion möchte der 23-Jährige nun für die Sicherheit im Motorsport nutzen. Dafür hat Hartog bereits eine konkrete Idee. "Ich möchte eine Non-Profit-Organisation gründen und Leute finden, um gemeinsam Lösungen zu finden, diesen Sport noch sicherer zu machen."
Für Hartog zeigt der Unfall trotz der dramatischen Bilder auch, wie sehr sich die Sicherheit im Rennsport verbessert hat: "Dass Ollie keine schlimmeren Verletzungen davongetragen hat, zeigt, wie weit wir im Motorsport schon gekommen sind."