Zu wenig Regen, zu viel Hitze – und auf den Feldern fehlt ein großer Teil der Ernte: Oberösterreichs Bauern erleben eines der schwierigsten Ackerbaujahre der Geschichte. Bis Ende September fehlen im Land durchschnittlich 37 Prozent des üblichen Jahresniederschlags.
In manchen Regionen beträgt das Defizit sogar 40 bis 50 Prozent. Allein Braunau verzeichnete mehr als 52 Tage mit über 30 Grad. "Das Landwirtschaftsjahr 2026 zeigt in aller Deutlichkeit, wie verwundbar die Produktion unter freiem Himmel gegenüber Wetterextremen geworden ist", sagt Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger.
Laut Hagelversicherung verursacht die Dürre in Oberösterreichs Landwirtschaft Schäden von rund 200 Millionen Euro. Die Zahl der Schadensmeldungen aus Hagel und Elementarrisiken hat sich gegenüber dem Vorjahr verfünffacht – vor allem wegen der Trockenheit.
Die Folgen ziehen sich durch die Herbsternte: Bei Mais und Sojabohnen liegen die durchschnittlichen Erträge um 35 bis 40 Prozent unter dem guten Vorjahresniveau, bei Zuckerrüben um rund ein Viertel. "Rund 80 Prozent des Ertrages hängen unmittelbar vom Wetter ab", erklärt Pflanzenbau-Experte Helmut Feitzlmayr.
Jetzt geraten auch die Erdäpfel unter Druck: Noch im Sommer belasteten hohe Lagerbestände den Markt, inzwischen hat sich die Lage innerhalb weniger Wochen gedreht. Wegen der schlechten Erträge zeichnen sich laut Landwirtschaftskammer Versorgungsengpässe für 2027 ab. Viele Kartoffelbestände liefern weder die nötigen Größen noch ausreichende Mengen für die verarbeitende Industrie.
Dazu kommen Probleme mit Qualität und Lagerfähigkeit. Wie groß die Verluste tatsächlich sind, zeigt sich teilweise erst nach der Ernte oder während der Lagerung. Zu kleine Knollen, Qualitätsmängel und Schädlingsschäden erschweren den Verkauf oder machen ihn unmöglich. Für den Gemüse- und Erdäpfelbau zählt 2026 laut Landwirtschaftskammer zu den schwierigsten Jahren der vergangenen Jahrzehnte.
Ein österreichweites Dürre-Hilfspaket über 240 Millionen Euro soll die betroffenen Betriebe finanziell entlasten. Doch die Ursache lässt sich damit nicht beseitigen. Waldenberger bringt es auf den Punkt: "Die Versicherung kann weder fehlenden Regen ersetzen noch die Auswirkungen steigender Temperaturen verhindern, aber sehr wohl finanzielle Schäden abfedern."