"Traumatisch"

Falsch begraben: 2 Crans-Montana-Opfer werden exhumiert

Zwei Opfer, die bei der Silvester-Katastrophe in Crans-Montana ums Leben gekommen sind, liegen nicht an der vorgesehenen Stelle am Friedhof.
Newsdesk Heute
01.04.2026, 14:22
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Der Schmerz der Eltern von Trystan und Guillaume, die als beste Freunde gemeinsam verunglückt sind, nimmt kein Ende. Schon im Jänner mussten sie eine bittere Nachricht verkraften: Am Vorabend der geplanten Beerdigung teilte ihnen die Staatsanwaltschaft mit, dass die Leichen für eine Obduktion abgeholt werden.

Die Begräbnisse wurden kurzfristig abgesagt und die Verstorbenen mehrere Tage lang fortgebracht. Wie "20 Minuten" berichtet, liegen die beiden Burschen inzwischen zwar nebeneinander am Friedhof von Pully – doch zur Ruhe kommen sie nicht. Nun steht eine Exhumierung bevor.

"Ich will irgendwann neben meinem Sohn liegen"

Am Dienstag entdeckte Trystans Mutter, dass direkt vor dem Grab ihres ältesten Sohnes ein Loch gegraben wurde. Dort soll bald eine ihr fremde Person beerdigt werden. Sie war überzeugt, dass der Bereich für ihre Familie reserviert ist. "Ich will doch irgendwann neben meinem Sohn liegen", sagt Vinciane Stucky zu "20 Minuten".

Beim Nachfragen kam der Schock: Trystan und Guillaume wurden in ein reguläres Reihengrab gelegt. In diesen Gräbern werden Verstorbene aus der Gemeinde Pully einfach der Reihe nach bestattet. Nach 20 bis 25 Jahren werden diese Gräber aufgelassen. "Das ist untragbar, das wollten wir nie", so Stucky.

"Wir konnten das Grab nie auswählen"

Trystans Mutter kritisiert, dass es keinerlei Aufklärung durch die Friedhofsverwaltung gab. "Wir konnten den Ort auch gar nicht wählen, während andere Familien offenbar über den Friedhof geführt wurden und einen schönen Platz aussuchen konnten." In der Trauer um ihren Sohn war für sie nur wichtig, einen blauen Sarg zu besorgen – wie es sich Trystan immer gewünscht hatte.

Weder die Eltern von Trystan noch jene von Guillaume dachten damals daran, dass es verschiedene Arten von Gräbern gibt. Das Geld wäre kein Thema gewesen – beide Familien wären bereit gewesen, für ein Konzessionsgrab zu zahlen. Jetzt sollen sie so ein Grab bekommen, aber dafür müssen die Söhne umgebettet werden.

Gemeinde bleibt hart – Umwidmung nicht möglich

Am Mittwoch trafen sich die betroffenen Eltern mit Vertretern der Gemeinde – darunter zwei Gemeinderätinnen und acht Polizisten. Die Bitte der Eltern: "Widmet doch einfach die bestehenden Grabstellen unserer Söhne um."

Hinter den Gräbern von Guillaume und Trystan befinden sich ohnehin Konzessionsgräber, die beiden Freunde liegen am Ende der Reihe. Für die Eltern wäre es nur eine kleine Änderung im Plan gewesen. Guillaumes Vater kritisiert: "Statt einfach diese Änderung unbürokratisch vorzunehmen, bevorzugen es die Gemeindevertreter, unsere Kinder wieder auszugraben. So wenig Respekt hat man in der Schweiz vor den Toten."

Obwohl die Behördenvertreter offenbar mit einer Eskalation gerechnet und deshalb die Polizei geholt haben, blieb das Treffen laut "20 Minuten" ruhig. Man einigte sich darauf, am Friedhof einen neuen Platz für die beiden Verstorbenen zu suchen.

Drei mögliche Stellen wurden besichtigt – alle in der Nähe weiterer Crans-Montana-Opfer aus Pully. "Aber es ist traumatisch für uns, es ist einfach eine untragbare Situation. Statt dass wir endlich trauern und unsere toten Kinder Ruhe finden könnten, kommt immer wieder etwas dazu", sagt Vinciane Stucky.

Am Geburtstag soll Trystan seine letzte Ruhe finden

Die Familien haben sich noch nicht auf einen endgültigen Platz geeinigt – Guillaumes Mutter möchte die drei Orte erst noch besichtigen. Diese Woche soll aber eine Entscheidung fallen. Die Mutter von Trystan und der Vater von Guillaume sind sich einig: Bis Ende April sollen die Exhumierung und die neue Beisetzung abgeschlossen sein – am 30. April wäre Trystan nämlich 18 geworden. "Ich möchte, dass er an seinem Geburtstag in seiner letzten Ruhestätte liegt", sagt Vinciane Stucky.

"Und ich brauche die Unterstützung unseres Pfarrers." Für die Sturheit der Gemeinde hat keiner der Eltern Verständnis. "Respektlos" nennt es Guillaumes Vater. Trystans Vater spricht sogar von "Gewalt". "Können wir diese Kinder nicht endlich in Frieden ruhen lassen?", fragt er. "Unsere Kinder sind keine bürokratischen Objekte. Sie sind keine Akten, die man hin- und herschiebt."

Die anwesenden Gemeindevertreter wollten gegenüber 20 Minuten keine Stellung nehmen. Eine schriftliche Anfrage bei der Gemeinde Pully ist noch offen.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 01.04.2026, 14:28, 01.04.2026, 14:22
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