Vor wenigen Tagen benötigte eine Wienerin (94) das erste Mal seit langer Zeit medizinische Hilfe. Sie kam in die Klinik Floridsdorf und musste erstaunt feststellen, dass sich seit ihrem letzten Spitals-Aufenthalt einiges geändert hat: Fürs Fernsehen müssen Patienten jetzt bezahlen.
Die stundenlange Wartezeit auf der Notfall-Ambulanz verbrachte sie zwischen schnarchenden Obdachlosen, am Abend wurde ihr schließlich ein Stationsbett angeboten. Dort stellten Verwandte – die ebenfalls lange kein Spital mehr von innen gesehen hatten – fest, dass nur zehn Minuten Bildschirmzeit gratis sind und danach eine Tagesgebühr von 3,20 Euro fällig wird.
Die 94-Jährige alleine kam mit dem Touch-Screen jedoch kaum zurecht. Selbst weitaus jüngere Angehörige benötigten mehrere Versuche, um das klobige Gerät in Gang zu bringen. Laut Auskunft des Wiener Gesundheitsverbunds sei das System seit der Spitals-Eröffnung im Jahr 2019 erfolgreich im Einsatz, in der Klinik Donaustadt bereits seit 15 Jahren. Von Patienten werde das Bezahl-TV in der Regel gut angenommen, Beschwerden wären die absolute Ausnahme.
"Jeder Patient hat eigenen Bildschirm"
Die Vorteile: "Jedes Bett hat einen Bildschirm und es können sogar Kopfhörer angeschlossen werden", hieß es vom Gesundheitsverbund. Der Nachteil: Die Terminals wurden von einem Mobilfunkanbieter finanziert, der sie auch betreibt. Somit hat das Spital auf die Gebühr keinen Einfluss.
Die TV-Pauschale summiert sich wöchentlich übrigens schon auf 22,40 Euro, monatlich auf fast 100 Euro. Bezahlen kann man nur, indem man an Automaten am Gang mit Bargeld eine Wertkarte auflädt und diese im Anschluss in einen kleinen Schlitz unten in den Bildschirm steckt oder über das Interface am Bildschirm per Kreditkarte. "Medizinisch wurde ich bestens versorgt", stellt die rüstige Seniorin klar. Dennoch will sie nun so schnell wie möglich wieder nach Hause.