Die Insolvenzwelle in Österreich reißt nicht ab. Immer mehr Traditionsbetriebe geraten unter Druck – jetzt hat es ein bekanntes Familienhaus am Arlberg erwischt. Am 23. Februar wurde über das Vermögen der Pension Berger Oberlech KG ein Konkursverfahren am Landesgericht Feldkirch eröffnet.
Was die Insolvenz besonders bitter macht: Die Pension ist kein anonymer Hotelbetrieb, sondern ein Stück gelebte Familiengeschichte. 1967 errichteten Jakob und Theresia Berger das Haus am Burgplateau in Oberlech. Seit 1969 werden hier Gäste empfangen - mittlerweile in zweiter Generation.
Mit nur 15 Zimmern setzte man bewusst auf Persönlichkeit statt Masse. Viele Familien kamen über Jahrzehnte immer wieder. Für sie war die Pension mehr als nur eine Unterkunft - sie war ein zweites Zuhause in den Bergen.
Auf 1.659 Metern Seehöhe versprach die Familie Berger vertraute Atmosphäre und ehrliche Gastfreundschaft. Serviert wurden österreichische Schmankerl, regionale Produkte und Weine heimischer Winzer. Bergkäse von der Alpe Batzen, Honig aus dem Klostertal, dreigängige Abendmenüs - hier wurde Wert auf Qualität gelegt. Auch Nachhaltigkeit spielte eine Rolle: 100 Prozent Ökostrom, Fernwärme aus heimischen Hackschnitzeln und ein klarer Fokus auf regionale Lieferanten prägten den Betrieb.
Nach dem Skitag entspannten Gäste im rund 220 Quadratmeter großen Wellnessbereich mit Finnischer Sauna, Bio-Sauna und Aroma-Dampfbad. Eisbrunnen, Ruheraum und Wärmebank rundeten das Angebot ab. Ein kleines Haus mit großem Anspruch.
Ob der Betrieb fortgeführt werden kann, ist derzeit offen. Gerade in Zeiten steigender Kosten, hoher Energiepreise und zurückhaltender Konsumenten geraten selbst gut geführte Familienbetriebe zunehmend ins Straucheln.
Für Gläubiger läuft die Frist zur Anmeldung ihrer Forderungen bis 16. April. Zur Insolvenzverwalterin wurde die Feldkircher Rechtsanwältin Mag. Dr. Surena Ettefagh bestellt.