"Dachten, er wäre Familie"

Filmte Spielerinnen heimlich – Urteil gegen Funktionär

Ein früherer Funktionär des SCR Altach wurde in Feldkirch (Vorarlberg) zu sieben Monaten bedingt und 1.200 Euro Geldstrafe verurteilt.
Christoph Weichsler
23.02.2026, 15:09
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Jetzt ist das Urteil da: Jener frühere Funktionär des SCR Altach, der junge Spielerinnen heimlich beim Umziehen und Duschen gefilmt haben soll, ist am Montag am Landesgericht Feldkirch verurteilt worden. Sieben Monate Haft, bedingt auf drei Jahre Bewährung, dazu 1.200 Euro Geldstrafe – ins Gefängnis muss der Mann nicht.

Vor dem Saal 108 herrschte großer Andrang, nicht alle Zuhörer fanden Platz. Der Angeklagte bekannte sich teilweise schuldig. Die heimlichen Film- und Fotoaufnahmen der Spielerinnen räumte er ein. Beim Vorwurf des Besitzes von kindesmissbräuchlichem Material bestritt er jedoch die Schuld.

188 Dateien sichergestellt

Laut Strafantrag soll der Mann 188 Bild- und Videodateien mit kindesmissbräuchlichen Inhalten besessen haben. Die Vorwürfe reichen bis ins Jahr 2014 zurück. Drei Bilder auf seinem Handy wertete die Richterin als strafbar - hier sei zumindest bedingter Vorsatz gegeben gewesen. In anderen Punkten, etwa bei Dateien auf einem Laptop, gab es im Zweifel einen Freispruch.

Zudem gestand der Angeklagte, für einen Streamingdienst im Darknet bezahlt zu haben. Laut Anklage soll er zehn US-Dollar für ein Probeabo und später 180 US-Dollar für ein Lifetime-Abo überwiesen haben.

"Dachten, er wäre ein Teil dieser Familie"

Die heimlichen Aufnahmen in Vorarlberg reichen laut Gericht bis 2018 zurück. Gefilmt worden sei nicht nur in der Damenumkleide des SCR Altach, sondern auch in einem Fitnessstudio und an weiteren Orten. Insgesamt sind 15 Mädchen und junge Frauen als Opfer angeführt. Sie erhalten jeweils 625 Euro Entschädigung.

In einer Stellungnahme schilderten die Spielerinnen die massiven Folgen. Die Kabine sei einst ihr "Zuhause" und "Wohlfühlort" gewesen. Heute hätten viele Angst in öffentlichen Duschräumen, suchten Räume instinktiv nach versteckten Kameras ab. "Altach wurde unser Zuhause, dieses Zuhause wurde von jemandem zerstört, von dem wir dachten, er wäre ein Teil dieser Familie", heißt es darin.

Die Richterin sprach von einem klaren Vertrauensmissbrauch. Ziel des Strafverfahrens sei nicht Vergeltung, sondern Prävention. Der Angeklagte entschuldigte sich bei den Betroffenen und gab an, sich in Therapie zu befinden. Mit dem Urteil ist das Strafverfahren abgeschlossen - doch zivilrechtlich dürfte die Causa Altach noch ein Nachspiel haben.

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