Nach mehreren gewalttätigen Vorfällen beim Après-Ski in Tirol wächst der Unmut in der Branche. Ein Hotelier aus St. Anton fordert nun ein Umdenken – und wandte sich mit einem offenen Brief an Tourismuslandesrat Mario Gerber (ÖVP).
Auslöser sind brutale Auseinandersetzungen in den heimischen Ski-Hochburgen. In St. Anton attackierte zuletzt ein 50-jähriger Ire einen Landsmann mit einem Bierglas, dessen Bruder schlug er mehrfach mit der Faust. Die Verletzungen reichen von Knochenbrüchen über Platzwunden bis hin zu Augenverletzungen – und stammen nicht von Stürzen auf der Piste, sondern von Eskalationen beim Feiern.
In seinem Schreiben kritisiert der Hotelier scharf, dass exzessives Feiern rund um den Skisport regelrecht beworben werde. "Besoffen Ski zu fahren (...) wird geradezu vermarktet", heißt es darin. Offenbar gebe es nichts Schöneres, als sich am Berg zu betrinken und anschließend irgendwie ins Tal zu kommen, schreibt er ironisch weiter, berichtet die "Tiroler Tageszeitung". Diese Form des Tourismus schade den Destinationen nachhaltig. Er fordert Maßnahmen zur Eindämmung, ähnlich wie auf Mallorca.
"Tirol scheint hier noch im Dornröschenschlaf zu sein. Zu wichtig und zu einfach ist das schnelle Geld mit dem Après-Ski." In St. Anton habe sich mittlerweile eine Gruppe von Hoteliers zusammengeschlossen, die sich für nachhaltigen Tourismus starkmachen. Als "Quality Hosts" wollten sie ihren Gästen eine andere Haltung vermitteln.
Tourismuslandesrat Mario Gerber sieht die Vorfälle hingegen im Gesamtbild als "Einzelfälle", betont jedoch, dass jeder einzelne Vorfall einer zu viel sei. "Solche Entwicklungen sind nicht der Tiroler Tourismus, den wir brauchen und den wir wollen", stellt er klar. Man arbeite daran, Standards sicherzustellen und Fehlentwicklungen entschieden entgegenzutreten. Tirol solle für Qualität, Gastfreundschaft, Sicherheit und respektvolles Miteinander stehen.