"Mittlerweile unerträglich"

"Festivals von Alkoholikern" beim Linzer Hauptbahnhof

Gewalt, Drogen und immer jüngere Süchtige sorgen in Linz für Alarmstimmung. Nach mehreren brutalen Vorfällen fordert die ÖVP jetzt harte Maßnahmen.
Lea Strauch
21.05.2026, 05:00
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Messerattacke auf der Landstraße, tödliche Polizeischüsse nach einem Angriff mit Spritze und Schere, die brutale Axt-Attacke am Südbahnhofmarkt – mehrere schwere Vorfälle haben Linz in den vergangenen Monaten erschüttert. Für Vizebürgermeister Martin Hajart (ÖVP) ist klar: "Man kann nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen."

Schwarzenbrunner, Yazdi-Zorn und Hajart im Gesrpäch.
"Heute"

"Festivals von Alkoholikern"

Deshalb lud Hajart gemeinsam mit Experten zu einem Hintergrundgespräch über "Sucht im öffentlichen Raum". Der Tenor: Die Probleme werden sichtbarer, die Betroffenen jünger – und die Stadt müsse endlich reagieren. Hajart schilderte dabei auch seine Eindrücke nach Gesprächen mit der Polizei am Hauptbahnhof.

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Dort gebe es "massive Probleme im Bereich des Bahnhofsvorplatzes und beim Park". Der Vizebürgermeister schildert: "Die Polizisten reden dort von Festivals von Alkoholikern." Was sich dort abspiele, sei "mittlerweile wirklich unerträglich".

Alarmierend sind für Experten aber die Entwicklungen beim Drogenkonsum selbst. Suchtmediziner Kurosch Yazdi-Zorn vom Kepler Klinikum spricht von einer massiven Zunahme bei Kokain. Die Substanz sei "viel billiger und reiner" geworden – und längst keine "Promi-Droge" mehr. Mittlerweile würden "ganz normale Menschen" behandelt – vom Bauarbeiter bis zum Lehrer.

Besonders brisant: Immer jüngere Menschen greifen zu harten Drogen. Yazdi-Zorn berichtet von 16-Jährigen in Behandlung, die mit einer Kokainabhängigkeit kämpfen. Teilweise würden Jugendliche täglich mehrere Gramm konsumieren. Die Kombination mit Alkohol sei besonders gefährlich: Sie fördere Aggressionen "massiv".

Aufklärung schon im Kindergarten

Für Thomas Schwarzenbrunner, Sucht- und Drogenkoordinator des Landes Oberösterreich, reicht reines Durchgreifen der Exekutive aber nicht aus. Natürlich müsse es Regeln und Sicherheit im öffentlichen Raum geben. Gleichzeitig brauche es aber mehr Prävention, Betreuung und Sozialarbeit. "Fachlich gesehen braucht es viel, viel mehr", sagt Schwarzenbrunner.

Einig sind sich beide bei der frühen Aufklärung. Prävention müsse viel früher beginnen als bisher – und zwar schon im Kindergarten. Entscheidend seien Lebenskompetenzen: also der Umgang mit Stress, Konflikten oder Gefühlen. Genau dort müsse man ansetzen, um Jugendliche gar nicht erst in die Sucht abrutschen zu lassen.

"Brauchen Fürsorge"

Konkret will die Volkspartei dazu nun einen Antrag im Gemeinderat einbringen. Das bestehende Linzer Sicherheitsprogramm aus dem Jahr 2014 soll evaluiert und neu aufgestellt werden – als neue "Linzer Sicherheitsagenda 2026" mit Fokus auf einzelne Stadtteile und konkrete Problemzonen.

Darin fordert die ÖVP unter anderem ein modernes Drogenmonitoring mittels Abwasseranalysen, strengere Maßnahmen im öffentlichen Raum und mehr Sicherheit an Haltestellen. Auch ein mögliches Alkoholverbot im Bereich Bahnhofsvorplatz und Bahnhofspark soll geprüft werden. Hajart betont dabei, dass es nicht nur um ein subjektives Sicherheitsgefühl gehe, sondern auch um Hilfe für Betroffene: "Suchtkranke brauchen Fürsorge. Es geht um die Kombination."

{title && {title} } Lstr, {title && {title} } 21.05.2026, 05:00
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