Tief unter den Wäldern an Finnlands Westküste entsteht eine Anlage, die für Zeiträume gebaut wurde, die das menschliche Vorstellungsvermögen übersteigen. In etwa 430 Metern Tiefe soll schon bald das erste dauerhaft betriebene Endlager für hochradioaktive Brennelemente der Welt in Betrieb gehen.
Die Anlage namens Onkalo befindet sich auf der Halbinsel Olkiluoto im Südwesten Finnlands. Das Wort bedeutet ‚Höhle‘ – eine schlichte Bezeichnung für ein Projekt, das international als Vorbild für die sichere Lagerung von Atommüll gesehen wird. Jahrzehntelang wurde weltweit nach Lösungen zur Entsorgung hochradioaktiver Abfälle gesucht, nun könnte Finnland den Weg weisen.
Die Tunnel wurden in rund 1,9 Milliarden Jahre altem Gestein gebaut, das als besonders stabil gilt. Die abgebrannten Brennstäbe aus den finnischen Kernkraftwerken Olkiluoto und Loviisa sollen künftig in Einlagerungstunneln tief unter der Erde für mindestens 100.000 Jahre sicher gelagert werden.
Bevor die Brennstäbe eingelagert werden, werden sie getrocknet und in Stahlbehälter eingeschlossen. Danach kommen sie in dicke Kupferkapseln, die sie vor Korrosion schützen sollen. Die Behälter werden in die unterirdischen Tunnel gebracht, jedes Bohrloch mit Bentonit – einem quellfähigen Ton – zusätzlich versiegelt. Ist ein Tunnel voll, wird er mit Beton verschlossen.
Onkalo bietet Platz für etwa 6.500 Tonnen Uran aus abgebrannten Brennelementen. Die Einlagerung soll rund ein Jahrhundert dauern, danach wird das Endlager endgültig versiegelt. Ziel ist es, den gefährlichen Atommüll mindestens 100.000 Jahre lang sicher von Mensch und Umwelt zu trennen.
Die Kosten für das Projekt werden auf etwa eine Milliarde Euro geschätzt und über einen staatlich verwalteten Fonds finanziert, in den die Betreiber der finnischen Kernkraftwerke einzahlen. Anders als in vielen anderen Ländern stößt das Endlager in Finnland auf breite Unterstützung in der Bevölkerung. Die finnische Strahlenschutzbehörde hat die Sicherheitsnachweise für Zeiträume von bis zu einer Million Jahren geprüft und sieht positive Ergebnisse.
Dennoch bleibt Kritik, vor allem von Umweltverbänden. Sie warnen, dass niemand absolute Sicherheit über Tausende Jahre versprechen könne. Risiken wie Korrosion der Kupferkapseln oder geologische Veränderungen durch künftige Eiszeiten können nicht ausgeschlossen werden.
Finnland bleibt ein Land, das weiterhin auf Kernenergie setzt. Die Reaktoren liefern derzeit rund 40 bis 45 Prozent des Stroms. Auch der Bau kleiner modularer Reaktoren wird geprüft, wobei die Entsorgung des dabei anfallenden Atommülls noch nicht geklärt ist.
Bevor Onkalo tatsächlich Brennelemente aufnehmen kann, muss noch die abschließende Bewertung durch die finnische Strahlenschutzbehörde erfolgen. Eine Entscheidung dazu wird in den kommenden Monaten erwartet – fällt sie positiv aus, könnte das Endlager Ende dieses oder Anfang des nächsten Jahres in Betrieb gehen.