Sie stand vor einem Supermarkt und telefonierte mit ihrem Partner. Plötzlich rammte ihr eine wildfremde Frau eine abgebrochene Flasche ins Gesicht. Seit der brutalen Attacke kann die 54-Jährige auf dem rechten Auge kaum noch sehen. Jetzt liegt ein Gutachten vor: Die Angreiferin (49) leidet an einer schweren psychischen Erkrankung und war laut Gutachter nicht zurechnungsfähig, berichtet die "Tiroler Tageszeitung".
Die Tat ereignete sich am 5. Juni gegen 15 Uhr in der Innsbrucker Museumstraße. Das Opfer kniete danach blutüberströmt auf dem Gehsteig, das Gesicht zerschnitten, Glassplitter im Auge. Die Angreiferin versuchte noch, ihr das Handy zu entreißen, scheiterte aber.
Während Passanten, darunter eine Ärztin, der Verletzten halfen, flüchtete die 49-Jährige. Ein Zeuge verfolgte sie und wurde dabei selbst bedroht. "Die Frau rannte mit erhobener Weinflasche auf mich zu, ich rannte weg. Erst als sie stoppte, hielt ich auch an."
Der Mann alarmierte die Polizei. Nur zehn Minuten nach der Attacke wurde die Verdächtige vor dem Hotel Adlers festgenommen.
Wie aus einem Gerichtsprotokoll hervorgeht, war die Innsbruckerin seit 2013 bereits achtmal in der Psychiatrie. Zuletzt nur zehn Tage vor der Tat: Damals hatte sie einen geschenkten Zehn-Euro-Schein zerrissen und eine Flasche auf dem Gehsteig zerschlagen. In der Klinik wurde paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Bereits 2019 war die Frau mit einem Taschenmesser auf einen Mann losgegangen.
Laut aktuellem Gutachten ist die 49-Jährige nicht zurechnungsfähig. Es bestehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie innerhalb weniger Wochen erneut schwere Straftaten begehen könnte, berichtet die "Tiroler Tageszeitung". Selbst Körperverletzungen mit Todesfolge oder Brandstiftungen werden nicht ausgeschlossen.
"Damit liegen aus psychiatrischer Sicht die medizinischen Voraussetzungen für eine Unterbringung in einer forensisch therapeutischen Einrichtung vor", so der Gutachter zur "TT". Der Frau droht damit eine entsprechende Einweisung. Derzeit befindet sie sich in einem psychiatrischen Krankenhaus.
Für die 54-Jährige gibt es kaum Hoffnung auf Besserung. "Die Sehkraft liegt bei gerade einmal zehn Prozent und da hat sich seit dem Angriff nichts gebessert", sagt ihr Anwalt Alfred Witzlsteiner.