Aufregung in Graz-Lend: Der Grund sind knallblaue Planen, Zelte und Matratzen, die sich jetzt mitten im Metahofpark befinden. Sie dienen seit Wochen rund 20 geflüchteten Menschen als Unterschlupf. Bei ihnen handelt es sich um drei Roma-Familien aus der Ukraine.
Gegenüber der "Kleinen Zeitung" erzählten die Betroffenen von ihrer Situation. So erzählt eine 63-jährige Frau, dass sie bereits seit drei Monaten im Metahofpark nächtigt. Sie müsse hier "mit Käfern" schlafen, klagt die Dame. Zudem brauche sie dringend Medikamente aufgrund einer Lebererkrankung. Hilfe habe sie bisher keine erhalten.
Eigentlich ist das Campieren im Park verboten. Daher sorgt die Causa für heftige Debatten. Aus dem Büro der Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) hieß es, dass man momentan um eine Unterkunft bemüht sei. Dennoch gestaltet sich die Lage äußerst schwierig – die Familien wollen nämlich zusammenbleiben.
Seit die blau-schwarze Landesregierung im März die Notschlafstellen geschlossen hatte, ereilte in den letzten Monaten rund 150 Menschen dasselbe Schicksal wie jenes der Roma-Familien. Bis der Geflüchtetenstatus der Betroffenen feststeht und sie von der Grundversorgung erfasst werden, entsteht nun eine Versorgungslücke.
Seitens der Stadt versuche man "humanitäre Hilfe zu leisten", dennoch könne Graz die Versorgung nicht alleine stemmen. Man habe den Bund bereits zum Handeln aufgefordert, so das Büro von Kahr gegenüber der "Kleinen".
Dies bekommen die Familien im Metahofpark zu spüren. Sie wüssten selbst nicht, wie sie hier gelandet seien. Eine 16-Jährige erzählte, dass sie vom Krieg geflüchtet seien. Auf die Frage, was genau er hier will, antwortete ihr Bruder, dass er gerne wieder eine Schule besuchen würde. Eine Mutter, die auch mit ihren fünf Kindern im Park schläft, wünscht sich hingegen eine Arbeitsstelle.
Der steirische Integrationslandesrat Hannes Amesbauer (FPÖ) zeigte sich über die humanitären Bemühungen der Stadt Graz verärgert. Er möchte "die Steiermark als Asylstandort" deaktivieren. Daher wurde die Grundversorgung reformiert und die Notschlafstellen geschlossen.
Man werde "die weit linksstehende Grazer Stadtregierung nicht dabei unterstützen, Graz zum Asylmagneten Österreichs zu machen". So seien die Leistungen für Menschen aus der Ukraine an deren Arbeitsbereitschaft geknüpft.
Trotz der Differenzen können sich die Stadt und das Land jedoch auf einen Punkt einigen. Beide sehen den Bund nun in der Pflicht, zu handeln. Das Innenministerium schiebt den Ball jedoch wieder zurück.
Demnach liege die Versorgung Vertriebener rechtlich gesehen bei den Ländern. Der Bund biete dennoch Unterstützung durch einen Kostenbeitrag von 190 Euro pro Person. Aktuell würden sich in der Steiermark 289 Personen in der Grundversorgung befinden. In ganz Österreich sind es rund 5.900 Asylwerber – der niedrigste Wert seit über 20 Jahren.