Am Wiener Landesgericht beginnt am Montag ein aufsehenerregender Prozess gegen zwei ehemalige hochrangige Funktionäre des syrischen Sicherheitsapparats. Dem früheren Brigadegeneral Khalid Al H. (63) und dem ehemaligen Kriminalpolizei-Offizier Mussab Abou R. (54) wirft die Staatsanwaltschaft Wien vor, zwischen 2011 und 2013 in der syrischen Stadt Raqqa systematische Folterungen und Misshandlungen von Regimegegnern angeordnet, selbst durchgeführt oder zumindest geduldet zu haben.
Gefangenen sollen wiederholt brutale Misshandlungen in Form von Schlägen, Tritten und Elektroschocks zugefügt worden sein. Auch Verbrühungen mit heißem Wasser sowie der Einsatz des berüchtigten Folterinstruments mit dem klingenden Namen "Fliegender Teppich" werden in der Anklage detailliert geschildert. Dabei werden Opfer auf einer Holzvorrichtung fixiert und durch das Einklappen des Gestells unter extremen Schmerzen überdehnt.
Die Ermittler konnten 21 mutmaßliche Opfer ausforschen, die teilweise bis heute unter den Folgen leiden. Den Mandanten der Star-Anwälte Philipp Wolm und Timo Gerersdorfer werden schwere Körperverletzung, Folter und schwere Nötigung vorgeworfen – im Falle einer Verurteilung drohen langjährige Haftstrafen.
Brisant: Der General erhielt nach seiner Flucht über Frankreich – angeblich durch Mossad-Mithilfe – im Jahr 2015 in Österreich Asyl. Während der 63-Jährige in Untersuchungshaft sitzt, befindet sich sein mutmaßlicher Komplize (54) auf freiem Fuß und lebte bis zuletzt unbehelligt in einem kleinen Dorf in Oberösterreich. Beide Syrer bestreiten sämtliche Vorwürfe. Sie weisen jede Verantwortung für die mutmaßlichen Folterungen zurück. Für beide Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.