In den USA wächst der Druck auf die Klimaforschung. Nach Massenentlassungen und Budgetkürzungen in den ersten Monaten der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump folgen nun weitere Schritte, die Wissenschafter scharf kritisieren.
Im Zentrum steht laut AFP-Bericht die "Arctic Report Card", ein wichtiger US-Bericht über den Zustand der Arktis. Die NOAA veröffentlichte ihn seit 2006 jährlich. Nun soll die Koordination des Berichts für 2026 nicht mehr über die US-Behörde laufen. Eine Begründung nannte die NOAA nicht. Frühere Daten sollen öffentlich abrufbar bleiben.
Die Arktis gilt als besonders sensibler Gradmesser der Erderhitzung. Im Bericht für 2025 wurde festgehalten, dass die Polarregion ihr heißestes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt habe. Genannt werden Folgen wie schmelzende Gletscher, weniger Meereis, grünere Landschaften und mögliche Störungen globaler Wettermuster.
Rick Spinrad, früherer NOAA-Chef, findet deutliche Worte. "Die Arktis ist ein Frühwarnsystem des Klimawandels", sagte er. "Sie zwingen dem System Unwissenheit auf" – in der Hoffnung, so mit realen Herausforderungen der Klimakrise umgehen zu können.
Die Folgen betreffen nicht nur den hohen Norden. Weil die Arktis deutlich schneller wärmer wird als der globale Durchschnitt, sprechen Fachleute von "Polarer Verstärkung". Schwindendes Meereis bringt mehr Süßwasser in den Nordatlantik. Das kann Meeresströmungen beeinflussen, die unter anderem Europas Winter milder halten. Stichwort: AMOC-Abschwächung.
Auch an anderer Stelle gerät Klimawissen unter Druck. Die National Academy of Sciences entfernte zuletzt ein Kapitel über Klimawissenschaft aus einem Handbuch für Richter. Zuvor hatte Trump das Kapitel auf Truth Social als "betrügerisch, voreingenommen und irreführend" attackiert. Die Akademie verwies auf eine unabhängige Überprüfung, die im Herbst abgeschlossen werden soll.
Besonders brisant ist das, weil Klimawissenschaft in zahlreichen Verfahren gegen Öl- und Gaskonzerne eine Rolle spielt. Es geht dabei auch um die Frage, ob einzelne Extremwetterereignisse mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden können. Carly Phillips von der Union of Concerned Scientists sieht darin einen "breiten Angriff" auf die sogenannte Zuordnungsforschung.
Dazu kommt die Rücknahme der "Endangerment Finding", einer zentralen Feststellung aus dem Jahr 2009, wonach Treibhausgasverschmutzung die Gesundheit gefährdet und reguliert werden muss. Laut Ausgangstext wurden dadurch unter anderem bundesweite Emissionsstandards für Fahrzeuge ausgehebelt.
Der Klimatologe Michael Mann spricht trotz allem von einem Kampf gegen immer stärkere Beweise. Menschen würden die Folgen der Klimakrise in diesem Sommer durch Hitzeglocken und Waldbrände deutlich spüren. Sein Fazit: Der Versuch sei zum Scheitern verurteilt – "aber das heißt nicht, dass sie nicht weiter versuchen werden".