Extremwetter in Europa

Kollaps der Atlantik-Strömung – Folgen für Österreich

Neue Daten zeigen: Die wichtige Atlantik-Strömung AMOC könnte noch in diesem Jahrhundert kippen - mit drastischen Folgen für ganz Europa.
Bernd Watzka
17.04.2026, 06:31
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Es klingt nach einem fernen Problem, ist aber brandaktuell: Die Atlantik-Strömung AMOC schwächelt massiv - und könnte laut neuer Forschung noch in diesem Jahrhundert kollabieren. Experten schlagen jetzt Alarm.

Die sogenannte Atlantische Umwälzzirkulation transportiert warmes Wasser aus den Tropen nach Europa. Ohne sie würde sich unser Klima drastisch verändern. Genau das droht jetzt schneller als gedacht.

Halbierung der Strömungsgeschwindigkeit

Eine neue französische Studie zeigt jetzt: Modelle, die bisher als besonders pessimistisch galten, liegen offenbar näher an der Realität. Demnach könnte sich die Strömung bis zum Jahr 2100 um bis zu 58 Prozent verlangsamen - ein Wert, der einen Zusammenbruch wahrscheinlich macht, so die Forscher.

Extreme Kälte in Europa

Die Wissenschaftler sprechen von "sehr besorgniserregenden" Szenarien. Die Folgen wären massiv: extreme Kälte in Westeuropa, gleichzeitig Dürren im Sommer, ein deutlich steigender Meeresspiegel im Atlantikraum und verschobene Regenzonen in den Tropen. Millionen Menschen wären betroffen.

Schwächste AMOC seit 1.600 Jahren

Schon jetzt ist die AMOC so schwach wie seit 1.600 Jahren nicht mehr. Erste Warnsignale für einen Kipppunkt wurden bereits 2021 entdeckt. Besonders heikel: Der Prozess könnte sich selbst verstärken. Wärmeres Wasser sinkt langsamer ab, gleichzeitig verdünnt mehr Süßwasser aus Schmelze und Regen den Ozean - ein gefährlicher Kreislauf.

Beobachtungsdaten deuten auf eine Abschwächung der AMOC um etwa 50 % bis zum Ende dieses Jahrhunderts hin.
V. Portmann et al.

Kipp-Wahrscheinlichkeit bei 50 Prozent

Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung warnt eindringlich: Die Wahrscheinlichkeit eines Kollapses liege inzwischen bei über 50 Prozent. "Wir könnten diesen Kipppunkt bereits Mitte des Jahrhunderts überschreiten", so der Experte.

Zusätzliche Unsicherheit bringt ein weiterer Faktor: Das Schmelzwasser aus Grönland ist in vielen Modellen noch gar nicht vollständig berücksichtigt. Die Lage könnte also noch dramatischer sein.

AMOC-Kollaps - Mögliche Folgen für Österreich

Das wohl Paradoxeste zuerst: Trotz globaler Erwärmung würde es in Teilen Europas deutlich kälter werden. Vor allem Westeuropa könnte regelrecht auskühlen, weil die "Heizung" aus dem Atlantik wegfällt. Winter wären deutlich strenger, länger und schneereicher.

Ein AMOC-Kollaps würde Österreich zwar nicht "einfrieren", aber das Klima hierzulande deutlich unberechenbarer und extremer machen. Im Sommer drohen häufigere Hitzewellen, längere Dürren sowie mehr Starkregen und Hochwasser.

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